Slow Travel an der dänischen Westküste 2026
Slow Travel ist ja gerade Trend. So wie Coolcation und Me-cation. Damit gemeint ist eine Form des Reisens, bei der „Entschleunigung, Qualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen“. Quasi der Gegenentwurf zu Kreuzfahrten. Statt möglichst viele Orte und Sehenswürdigkeiten in kurzer Zeit abzuhaken, verbringt man mehr Zeit an einem Ort, taucht in die lokale Kultur ein (oder versucht es zumindest) und setzt bewußt auf Ruhe und Verweilen. Highlights sind dann der Einkauf auf dem Wochenmarkt und in kleinen, inhabergeführten Läden, auch in der Hoffnung auf Gespräche mit Einheimischen.
„Beim Slow-Travel geht es darum, die Anzahl der Stopps zu reduzieren, lokal einzukaufen und sich dem Rhythmus der Natur anzupassen.“ Oft gehört auch die Wahl des Transportmittels dazu, wie der Verzicht aufs Flugzeug; stattdessen reist man mit dem Zug an und bewegt sich vor Ort per Fahrrad oder zu Fuß.
Im Vorfeld meiner Sommerreise 2026 las ich, dass Mitteljütland (Midtjylland) in Dänemark die perfekte Region für Slow Travel sei, da sie „weite Naturräume, ruhige Fjorde, entschleunigte Inseln und dänische Hygge abseits des Massentourismus vereint“. Kleine Hofläden (Gårdbutikker) im Hinterland eignen sich perfekt, um frischen Fisch, jütländischen Käse und Bio-Gemüse (z.B. nye kartoffler) direkt vom Erzeuger (oft an Straßen-Ständen nach Vertrauens-Prinzip) zu kaufen. Auch das ist Teil des Slow-Travel-Prinzips.
Kleiner Spoiler: „Abseits des Massentourismus“ ist jetzt nicht unbedingt der erste Gedanke, der mir in den Kopf schießt, wenn ich an die Parkplatzsituation in Urlaubsorten wie Hvide Sande oder Blåvand denke (Stichwort: Deutsche Autokennzeichen). Andererseits – alles noch im Rahmen! Und da man ja (hoffentlich) nicht unter Zeitdruck steht, kann man ein kurzes Warten auf den nächsten freien Parkplatz vermutlich auch verkraften (prima, um den Grad der eigenen Entspannung zu testen, hehe).
Insgesamt geht es tatsächlich sehr gemächlich zu an Dänemarks Westküste, selbst im Hochsommer. (Ein positives Beispiel: Auf dänischen Landstraßen ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 80km/h. Und wirklich oft fahren die Autos trotzdem langsamer. Keiner hupt. Kein Drängeln. In Deutschland kaum vorstellbar, oder?!
Vorab ein paar Fakten zur dänischen Westküste
- Die Westküste der Region Mitteljütland (Region Midtjylland) in Dänemark verläuft entlang der rauen Nordsee. Die Landschaft ist geprägt von kilometerlangen, breiten, weißen Sandstränden mit hohen Dünen und Heidelandschaft im Hinterland.
- Das Wetter wechselt schnell! Tage ohne Wind sind selten.
- Wegen des Windes gilt die Gegend als Hotspot für Wind- und Kitesurfen.
- Bekannte und beliebte (Urlaubs-)Orte sind Blåvand, Hvide Sande, Henne Strand, Ringkøbing, Søndervig oder Thorsminde.
- Eine geografische Besonderheit ist die schmale Landzunge Holmsland Klit, die die Nordsee vom Ringkøbing Fjord trennt.
- Die Region ist eines der beliebtesten Reiseziele für den klassischen Ferienhausurlaub in Dänemark.
- Entlang der gesamten Küste gibt es noch zahlreiche Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg vom deutschen Atlantikwall zu sehen, die teils frei zugänglich sind oder zu Museen (z.B. im Sea War Museum) umgebaut sind.
Ringkøbing Fjord und Holmsland Klit
Der Ringkøbing Fjord ist mit rund 300 Quadratkilometern Fläche der größte Küstensee Dänemarks. Er ist zwar groß, dabei aber extrem flach. Seine durchschnittliche „Tiefe“ misst nur 1,5 Meter.
Die schmale Landzunge Holmsland Klit (dt. Holmsland-Düne), ein 30 Kilometer langer und bis zu zwei Kilometer breiter Dünen-Streifen (Nehrung), trennt den Fjord von der Nordsee. Die Dünen erreichen hier Höhen von bis zu 25 Metern. Die Nehrung erstreckt sich von Nymindegab im Süden bis Søndervig im Norden. Im Fjord mischt sich das salzige Wasser der Nordsee (das durch eine Schleuse bei Hvide Sande einfließt) mit dem Süßwasser des Flusses Skjern Å.
Die Gegend ist ein beliebtes Ziel für Wassersportler und Naturfreunde und für den typischen Ferienhaus-Urlaub in Dänemark (besonders bei Urlaubern aus Deutschland). Sie gilt als eines der besten Reviere Europas für Windsurfen, Kitesurfen und Stand-up-Paddling. Auch zum Radfahren eignet sie sich hervorragend: Ein gut ausgebauter Radweg führt in etwas mehr als 100 Kilometern einmal komplett um den gesamten Fjord. Auch Sport-Angler kommen auf ihre Kosten: Der Fjord bietet einen guten Bestand an Barschen, Heringen und Plattfischen.
Der Hauptort dieses schmalen Landstreifens ist Hvide Sande (dt. „Weißer Sand“). Er liegt etwa auf halber Höhe an der Schleuse, die Fjord und Nordsee verbindet. Weitere Siedlungen sind Bjerregård, Haurvig, Aargab, Lyngvig und Klegod, die in erster Linie aus Ferienhäusern (und einigen Campingplätzen) bestehen.
In Bjerregård habe ich im August 2026 ein urgemütliches, etwas älteres Ferienhaus mit Kamin und großer Terrasse gemietet, nur einen Steinwurf entfernt vom Nordseestrand, der hier – anders als ich es aus meinen Kindheitsurlauben in Nordjütland kenne – kein Autostrand ist.



Hvide Sande
Der Hauptort auf Holmsland Klit ist – wie erwähnt – das 18 Kilometer nördlich von Bjerregård gelegene Hvide Sande.
Ich bin überrascht von der Größe des Ortes. Erwartet hatte ich eher ein Feriendorf, aber Hvide Sande ist eine Stadt mit etwas mehr als 2700 Einwohnern und „Heimathafen einer Fischereiflotte von 40 Schiffen“ (wie ich bei Wikipedia nachgelesen habe). Dort erfahre ich auch Folgendes: „Nach gelöschter Fangmenge erreicht der Fischereihafen Platz fünf in Dänemark“. Nicht schlecht! Kurz: Im Hafen ist allerhand los! Das ist recht spannend zu beobachten. Aber es ist eben auch ein sehr geschäftiger, industrieller Bereich und nicht etwa ein verträumter, kleiner Hafen mit bunten Bötchen. (Den gibt es aber ein paar Meter weiter „draußen“, ebenso einen Yachthafen.)
Der Ort, sorry, die Stadt hat alles, was es an touristischer Infrastruktur braucht: Gastronomie in Form von Cafés, Restaurants, Fisch- und Eis-Buden, mehrere Supermärkte, Bäckereien, Tankstellen, eine Tourist-Info, Surf-Schulen, Museen, Galerien, Minigolf, … ALLES!

1931 wurde der Hvide Sande Kanal eröffnet. Im Zuge dessen entstand auch die Stadt selbst. Sie erstreckt sich zu beiden Seiten des Kanals, ist also quasi zweigeteilt.
Der Kanal verfügt über eine Anlage mit zwei Schleusen, einer für Fischereifahrzeuge und einer zur Wasserstands-Regulierung. Gesteuert wird das Ganze von dem blauen Gebäude bei der Zugbrücke aus. Fun Fact (nur aus der Distanz Fun): 2007 ging die Klappbrücke über der Fahrrinne kaputt und konnte nicht mehr für den Schiffsverkehr geöffnet werden, die Mechanik musste vollständig erneuert werden. Ich stelle es mir anders herum vor – die Autos hätten die Brücke nicht mehr nutzen können… Nicht auszudenken! Der Stau, der sich in den Sommermonaten bildet, wenn die Brücke geöffnet wird, reicht zur Abschreckung! 😉



Der Bereich um die Brücke ist ein beliebter Treffpunkt für (Hobby-)Angler, die hier fette Beute machen, wenn die Fische zwischen Fjord und See hin und her wandern. Die häufigsten Fischarten, die im Rinkøbing Fjord gefangen werden, sind (je nach Jahreszeit) Hechte, Barsche, Aale, Heringe, Schollen und Flundern.
Einen Teil des Fangs der professionellen Fischereiflotte kann man täglich in der großen (und nicht sonderlich hübschen) Fischauktions-Halle ersteigern. In den Sommermonaten finden sonntags auch Auktionen speziell für Touristen statt (teilweise auf Deutsch). Ich hab’s mir angeguckt, zumindest, soweit es mir möglich war, denn: Achtung! Es wird sehr voll! Aber unterhaltsam ist es durchaus! 😉



Rund um den Kanal im Bereich der Brücke gibt es eine gute Auswahl an gastronomischem Angebot. Nett anzusehen sind auf jeden Fall die kleinen, bunten Häuser direkt am Hafenbecken.
Der Ortskern im südlichen Teil hat neben (Eis-)Cafés und Restaurants einige recht attraktive Boutiquen, Themenschwerpunkt sind Outdoor- und Sport-Klamotten, aber auch einiges an Mode, Interieur und Kunsthandwerk – und jede Menge Fischläden!


Meine Shopping-Highlights sind
- Omhu (Metheasvej 11) – Ein cooler Laden mit einem ebenso coolen Konzept rund um das Thema Recycling- und Upcycling. Im Frühjahr und Sommer werden regelmäßig Treffen zum gemeinsamen Müllsammeln am Strand organisiert. Der Shop bietet geschmackvolle Souvenirs an, die aus einem Teil des gesammelten Plastikmülls hergestellt werden, wie Schlüsselanhänger, Becher und Schmuck, auch bedruckte Textilien. And by the way: im angeschlossenen Café aus Treibholz und Paletten gibt es sehr guten Kaffee (Hab ich mir sagen lassen, ich bin ja die Tee-Fraktion.). Auf jeden Fall herrscht eine angenehm entspannte Atmosphäre!
- Ein weiterer Kaffee-Tipp (den ich sogar selbst getestet habe – und das heißt ja was bei mir!): Buzz Stop Coffee. Aus einem recht unscheinbaren Fenster in der Vestergade 16 heraus wird einem der mit viel Liebe und Sorgfalt zubereitete Kaffee heraus gereicht. To go oder to sit – auf einem der großen Sitz-Polster. Cool! Im selben Gebäude befindet sich derzeit (es wirkt auf mich, als sei das eher temporär) eine Galerie mit Fotos rund um das Thema Meer. Auch geschmackvoll!



Unübersehbar an der Hauptstraße steht die aus gelbem Stein gebaute Helligåndskirken (dt. Heiliggeistkirche), die erst 1954 gebaut wurde. Davor gab es nur die (deutlich attraktiveren) Kirchen Lyngvig kirke und Haurvig kirke, die beide 1869 eingeweiht wurden und weit außerhalb des heutigen Ortes liegen.
Die Kirche von Haurvig liegt etwa sieben Kilometer südlich. Sie wurde als Kapelle errichtet und erhielt erst 1947 im Zuge einer umfassenden Renovierung ihren Turm. Auf dem dazugehörigen Friedhof befinden sich auch Gräber von Soldaten der alliierten Streitkräfte aus dem zweiten Weltkrieg.


Übrigens gilt Hvide Sande als Top Location, um Robben zu sehen. Angeblich überqueren täglich bis zu 200 (!) Seehunde (ganz kurz für alle, die es nicht wußten: Jeder Seehund ist eine Robbe, aber nicht jede Robbe ist ein Seehund.) die Hauptstrasse, während sie zwischen Nordsee und Fjord hin und her wechseln. Ich hatte im Vorfeld darüber online gelesen und war recht skeptisch, ob das wohl auch für die Hauptferienzeit gilt. Was soll ich sagen? Zweihundert hab ich jetzt nicht gesehen, aber:

Ich bin begeistert!!! 😉
Kleine Fjord-Häfen
Ganz zauberhaft finde ich den kleinen Fjordhafen Tyskerhavnen (im nördlichen Teil Hvide Sandes hinter dem Kanal) aus dem Jahr 1912. (Da ist er, der kleine Hafen mit bunten Bötchen!) Von hier aus starten die einheimischen Fjordfischer schon seit über hundert Jahren zum Fischen im Ringkøbing Fjord (also länger, als es den Ort Hvide Sande gibt!). Bis heute gibt es Fischer, die hier ihren Lebensunterhalt verdienen, auch wenn die „große Zeit“ natürlich längst vorbei ist.
Ein Teil der alten, bunten Fischerhütten aus Holz ist erhalten, manche sind modernisiert und werden als Ferienhäuser vermietet. Und es werden neue Hütten im alten Stil dazu gebaut. Ein spannende Mischung! Ergänzt wird das Angebot durch Hausboote, teilweise modern ausgestattet mit Whirlpool und Sauna.



Es gibt noch weitere, ähnlich nette kleine Fjord-Häfen auf Holmsland Klit, wie etwa Render Havn oder Vinterleje Havn. Super-idyllisch und wenig besucht. Das verstehe, wer will!




Ich habe mich gefragt, was es mit den langen Holzstangen, die ich in all diesen kleinen Häfen entdeckt habe und bei deren Anblick ich an Tipis denken musste, auf sich hat. Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass es sich um Bundgarnspæle (dt. Bundgarnpfähle) handelt, die gerade nicht in Gebrauch sind und zum Trocknen an Land stehen. Bundgarnpfähle werden in Dänemark an flachen Küsten und Fjorden in den Meeresboden gerammt, um ein am Boden verankertes, feststehendes Fischnetz (Bundgarn) zu befestigen. Das lange Netz wird zwischen die Pfähle gespannt, das meist senkrecht zur Küste ins tiefere Wasser verläuft. Wenn die Fische versuchen, das Netz zu umschwimmen, werden sie in eine labyrinthartige Reuse geleitet und dabei gefangen. Der Fischer muss die Netze später nur noch ausleeren. Diese Methode ist im Vergleich zum Fischen mit Schleppnetz deutlich schonender, da die Netze nicht über den Grund gezogen werden.
Ein ganz besonders idyllischer Fjordhafen ist Nymindegab Havn am südlichen Ende des Ringkøbing Fjords. Er liegt, gut einsehbar, direkt neben der Hauptstraße, von Nymindegab kommend Richtung Bjerregård rechte Hand. Dies ist definitiv kein Geheimtipp! 😉
Das besondere hier sind die Esehusene (Esehäuser), kleine, historische, reetgedeckte Holzhütten. Der Name Esehus stammt vom dänischen Wort „es“ (dt. Fischköder). Die Hütten dienten früher als Lagerplatz für Fischernetze und wurden als Arbeits- und Schutzunterkunft von den Frauen genutzt, die dort Netze reparierten und Angelhaken mit Ködern versahen.


Im kleinen Hafen nebenan liegt an einem Holzsteg der 1913 gebaute Holzkutter V6. Es gibt einen lokalen Verein V6’s Venner (dt. Freunde der V6), der sich um den Erhalt der alten Boote, Stege und Esehäuschen kümmert, „um die Küstenkultur der letzten 200 Jahre lebendig zu halten“. Damals, als der Fjord an dieser Stelle noch direkten Meereszugang hatte, war der Ort ein lebendiges Fischereigebiet. Nachdem 1931 in Hvide Sande der Schleusenkanal gebaut worden war, verlor der Hafen seine große wirtschaftliche Bedeutung für die professionelle Seefischerei. Schön, dass sich der Verein so liebevoll kümmert!
Es gibt einen kleinen Parkplatz, Infotafeln, Picknicktische und in einer der alten Hütten sogar eine Toilette!

Leuchtturm Lyngvig (Lyngvig Fyr)
Eine bekannte Sehenswürdigkeit auf Holmsland Klit (auf Höhe von Nørre Lyngvig, etwa sechs Kilometer nördlich von Hvide Sande) ist Lyngvig Fyr, ein 38 Meter hoher Leuchtturm mit weitem Ausblick über Land und Meer. Er gehört mit einer Feuerhöhe von 53 Metern zu den höchsten Leuchttürmen Dänemarks. Im Jahr 1965 wurde der Leuchtturm automatisiert und benötigt seitdem keinen Leuchtturmwärter mehr.
Die Besteigung des Turms (228 Stufen) ist möglich, der Eintritt kostet 85 DKR (ca. 11,40 Euro, Stand August 2026) für Erwachsene, für Kinder bis 17 Jahre ist der Eintritt frei. Tickets gibt es online oder vor Ort.
Im alten Leuchtturmwärterhaus gibt es einen Souvenirshop und ein Café, Parkplätze sind in großer Zahl vorhanden.

Sømærke Haurvig (Seezeichen Haurvig)
Zu einem Urlaub an der dänischen Westküste gehört unbedingt der ein oder andere Strandspaziergang, ist ist ja wohl klar. Die Strände sind einfach herrlich lang und breit und weiß und … ach, einladend! Bei jedem Wetter! Zur weiteren Motivation hilft mir, wenn ich ein Ziel habe. Und da habe ich – zumindest bei der Lage meines diesjährigen Ferienhauses – einen Schwachpunkt ausgemacht: Ich habe keine … äh, Strandbude (Pommes! Eis!) in Lauf-Distanz ausmachen können. Ein klarer Nachteil.
Also habe ich mir das Seezeichen Haurvig als Ziel gesetzt. Etwa sechs Kilometer geht es über einen gut ausgebauten Spazier- und Radweg durch die Heidelandschaft hin – und dann weitere sechs Kilometer am Strand zurück.
Das Seezeichen steht – klar, dafür ist es ja gebaut – weithin sichtbar auf einer großen Düne. Gleichzeitig hat man von hier einen wunderbaren Rundblick über die Dünen- und Heidelandschaft und Wasser zu zwei Seiten, die Nordsee und den Rinkøbing Fjord.
Von diesen Seezeichen, die im dänischen ”båker” heißen, gibt es von Blåvand im Süden bis nach Skagen im Norden gleich mehrere. Sie wurden in der Zeit um 1884 gebaut. Ursprünglich waren es 25, von denen heute aber weniger als die Hälfte (elf Stück, u.a. in Skagen und Løkken) erhalten sind.
Die Baken sind hohe, dreibeinige Holzkonstruktionen, die alle leicht unterschiedlich gebaut sind, damit man sie auseinander halten kann. Sie dienten Seefahrern zur Orientierung und waren dafür in Seekarten verzeichnet. Heutzutage haben die Baken keine Funktion mehr für die Seefahrt, nur nostalgischen Wert. Seit 1997 stehen sie unter Denkmalschutz.
An der Hauptstraße gibt es einen kleinen Parkplatz für die, die nicht zu Fuß kommen.



Vom Seezeichen kommend, drei Kilometer in nördlicher Richtung, befindet sich die Rettungsstation Haurvig. Sie gehört heute zum Museum Adelines Gaard (s.u.). Sie passt zum Thema Seefahrt-Sicherheit.
„Die Rettungsstation Haurvig, deren Gebäude immer noch westlich des Museums Abelines Gaard steht, wurde 1860 als eine sehr bescheidene Raketenstation gegründet. Erst 1882 wurde ein separates Gebäude für die Ausrüstung gebaut. 1887 erweiterte man die Station mit einem größeren Gebäude und einem neu gebauten Rettungsboot von der Wert Orlogsværftet in Kopenhagen. 1933 wurde die Station wie die Rettungsstation Sønder Lyngvig geschlossen, da man die Aufgaben in einer neuen Station mit motorisiertem Rettungsboot in Hvide Sande bündelte. Man wollte aber Haurvig erst mal nicht vollständig aufgeben, sodass sie bis 1939 als Raketendepot der Rettungsstation Hvide Sande diente. In Haurvig kam es aber nie zu so vielen Rettungseinsätzen, wie an den vielen anderen Orten der Küste, wo die kleinen Rettungsstationen in den Jahrzehnten um 1900 vielerorts mehrere hundert Seeleute retteten. Die Rettungsstation Haurvig rettete 64 Schiffbrüchige bei 15 Einsätzen, alle wurden mithilfe des Raketenapparates an Land gebracht.“ Quelle: Jernkysten
Die Rettungsstation gehört heute zum Museum Abelines Gaard (s.u.). In dem Gebäude der Rettungsstation (gegenüber des Hofes auf der anderen Straßenseite) ist der Nachbau eines Rettungsbootes ausgestellt. Ansonsten ist das Haus auch ein hübsches Fotomotiv mit dem grünen Tor, auf dem zwei dänische Fahnen aufgemalt sind – wie auf allen Rettungsstationen in Dänemark.
Abelines Gaard
Gleich an der Hauptstraße (gut erkennbar am gehißten Dannebrog, der Nationalflagge Dänemarks) befindet sich das Museum Abelines Gaard. Das „regionaltypische“ Gehöft aus dem Jahr 1854 vermittelt einen Eindruck von den Lebensumständen auf der Nehrung in alten Zeiten. (1996 bekam das Museum den Europa-Nostra-Preis für herausragende Leistung zur Erhaltung von Kulturerbe!)
Parkplätze sind in großer Zahl vorhanden und während der Öffnungszeiten gut besucht. Ein urgemütliches Café ist angeschlossen.



Abelines Gaard ist der am besten erhaltene der vier langen Dünenhöfe entlang von Holmsland Klit. An der Hauptstrasse gibt es weitere, ähnliche Höfe, die allerdings nicht zum Museum ausgebaut sind. Die Fotos zeigen einen der anderen Höfe (ich finde ihn nicht weniger attraktiv – und bin dort ganz allein unterwegs).
Bagges Dæmning
Bagges Dæmning (dt. Bagges Damm) ist ein historischer Damm am nördlichen Ende des Ringkøbing Fjords, der einmal quer durch den Fjord verläuft. Auf etwa 1,6 Kilometern Länge verbindet er Holmsland Klit bei Søndervig mit dem östliche Holmsland.
Eigentlich gibt es den Damm schon seit 1860, benannt nach der Familie Bagge, die die Idee zum Bau hatte (der Sohn setzte die Idee des Vaters um). Ursprünglich war er dazu gedacht, das Land zu entwässern, um neue Ackerflächen zu gewinnen. Aber bereits ein Jahr nach seiner Fertigstellung riss eine Sturmflut den Damm an zwei Stellen auf.



Erst 2016 wurde der Damm wiederbelebt, indem man ihn mit Hilfe zweier Brücken wieder passierbar machte. Heute führt ein gut ausgebauter Weg, der sich für Spaziergänger und Radfahrer gleichermaßen eignet, quasi „übers Wasser“. Im Schilf liegen pittoresk vereinzelt kleine Fischerboote am Ufer. Außerdem wimmelt es von Wasser- und Seevögeln (Schwäne, div. Entenarten, Graureiher, Blässhühner und – mit etwas Glück – sogar Fischadler). Und Surfern.
Unterwegs sitzen ein paar Familien und picknicken. Ausgezeichnete Idee, aber ich bin nicht vorbereitet… Schade!

Ringkøbing
Die Stadt, die dem Fjord seinen Namen gibt, ist Ringkøbing, eine für westjütländische Verhältnisse etwas größere, historische Hafenstadt mit kopfsteingepflasterten Gassen und roten Ziegeldächern. Sie ist eine der ältesten Städte Dänemarks und hat rund 10.000 Einwohner. 2007 wurde sie zur glücklichsten Stadt in ganz Europa gekürt. Na!
Viele Jahre lang war der Naturhafen von Ringkøbing der einzige Hafen an der Westküste nördlich von Blåvandshuk. Damals war Holmsland Klit noch durchlässiger und es gab eine direkte Zufahrt zwischen der offenen Nordsee und Ringkøbing. Anfang des 20. Jahrhunderts riegelte der wachsende Dünenstreifen den Fjord langsam ab und der Zugang zum Meer verschwand, weshalb das heutige Hafenbecken angelegt wurde.



Inzwischen wird der Hafen hauptsächlich als Sport- und Yachthafen und von Fjordfischern genutzt. Und von Touristen, die hier mit Fischbrötchen (o.ä.) am Wasser sitzen. Im Hochsommer ist viel los, aber die Stimmung bleibt entspannt.
Mein Highlight ist der der angeschlossene Bereich mit den alten, bunten Fischerhütten. Der allein lohnt schon den Besuch in der Stadt!



In Richtung Innenstadt fällt mein Blick auf die 3,5 Meter hohe Bronze-Skulptur „“ (dt. Die fette Dame) der Künstler Jens Galschiøt und Lars Calmar. Sie stellt einen kleinen, ausgemergelten Jungen dar, der eine korpulente, oder besser fette Frau auf den Schultern trägt. Der Junge steht für die ausgebeutete Dritte Welt, während die Frau den Reichtum der westlichen Welt symbolisiert. Offiziell heißt die Skulptur – glaube ich – „Survival of the Fattest“ (dt. Überleben der Dicksten). Internationale Bekanntheit erlangte das Kunstwerk 2009, als es während der UN-Klimakonferenz direkt neben der Kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen stand.

Aber es gibt noch viel mehr zu sehen. Ringkøbing ist eine der best-erhaltenen dänischen Kleinstädte – das Vorhaben in den 50er und 60er Jahren alles abzureißen konnte zum Glück verhindert werden! Und so ist die Innenstadt geprägt von kleinen, oft kopfsteingepflasterten Gassen und schönen Ziegelbauten, besonders zwischen dem Torvet (Marktplatz) und dem Hafen (der Bereich zwischen der Vester Strandgade und Øster Strandgade mit Grønnegade und Smedegade)! Eine schöner als die andere!



Am Torvet, dem zentralen Platz der Stadt, stehen vor allem zwei historische Gebäude, die den alten Marktplatz prägen: das Hotel Ringkøbing und das alte Rathaus.
In dem markanten, gelb-weiß getönten historischen Fachwerkhaus am Torvet 18 befindet sich das traditionsreiche Hotel Ringkøbing. Es ist das älteste Haus am Platz mit Teilen aus der Zeit um 1600. Das Hauptgebäude steht unter Denkmalschutz. Das ehemalige Rathaus (Det gamle rådhus / amtsrådhus) von 1849 war früher Sitz der Amstverwaltung und der Polizei, inklusive Gefängnis. Direkt angrenzend dahinter liegt am Kirkepladsen die historische Ringkøbing Kirke. Das Hauptschiff stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Turm von 1550 ist das Wahrzeichen der Stadt.
Rund um den Torvet befinden sich zahlreiche Restaurants, im Sommer z.T. mit Außengastronomie, und attraktive Geschäfte. Die Haupteinkaufsstrasse Algade quert den Platz und die Fußgängerzone Nygade beginnt ums Eck.

Sehr empfehlenswert ist das Ringkøbing Museum am Ende der Algade, das neben einer Sammlung über den Polarforscher Ludvig Mylius-Erichsen auch die Involvierung Dänemarks in den 2.Weltkrieg zum Thema hat.
In Ringkøbing gibt es mehrere größere Supermärkte (neben SuperBrugsen auch Aldi, Lidl und Netto), sowie Tankstellen, und Apotheken. Genügend große Parkplätze sind vorhanden. Ein Ausflug in die Stadt eignet sich für Ferienhaus-Urlauber an der Westküste also durchaus auch, um praktische Besorgungen zu erledigen.
Skjern Enge und Halbinsel Tipperne
Die Halbinsel Tipperne und Skjern Enge sind zwei nahe beieinander liegende Natur- und Feuchtgebiete am südöstlichen Rand des Ringkøbing Fjords.
Skjern Enge ist mit 2.200 Hektar das größte (und einzige echte) Flussdelta Dänemarks. Hier fließt die Skjern Å in mehreren Armen in den Fjord, wodurch eine Landschaft aus Feuchtwiesen, Wasserläufen und kleinen Inseln entsteht. Sehr reizvoll! Es gibt gut ausgebaute Rad- und Wanderwege. Highlight für Groß und Klein sind die Seilfähren, mit denen man sich selbst (aus eigener Muskelkraft – puh!) über die Wasserarme ziehen kann. Es gibt mehrere Aussichtspunkte und -türme, wie z.B. das Dach der historischen Pumpstation Nord zur Beobachtung von Vöglen (Seeadler!) und Wildpferden!

Tipperne ist eine 3.000 Hektar große Halbinsel voller Salzwiesen und Flachwasserzonen und ein geschütztes, weltbekanntes Vogelschutzreservat für hunderttausende Zug- und Wiesenvögel, wie Strandläufer, Enten, Gänse und Schnepfen. Die nutzen das Gebiet im Frühjahr und Herbst als Rastplatz und begeistern Ornithologen aus der ganzen Welt. Die Zufahrt erfolgt über die Straße Tippervejen. Zum Schutz der Tiere darf man das Auto auf bestimmten Strecken nicht verlassen und Hunde sind komplett verboten. Am Ende des Weges gibt es ein Infohaus (Tipperhuset) und einen Aussichtsturm mit tollem Blick auf die Wasser-Landschaft.
Die Skjern Enge und Tipperne sind beides Orte, an dem man stundenlang verweilen kann – mal aktiv unterwegs, mal einfach nur still sitzend und den Geräuschen der Natur lauschend. Wenn das nicht Slow Travel ist!
Ein Fernglas und/oder eine Kamera mit Teleobjektiv helfen. 😉

Leuchtturm Blåvandshuk
Ich unternehme noch einen Ausflug zu Dänemarks westlichstem Punkt, an dem der hübsche und beliebte Leuchtturm Blåvandshuk Fyr steht. Er ist das Wahrzeichen des – besonders bei deutschen Urlaubern – beliebten Ferienortes Blåvand. Dessen Hauptstrasse bringt mich geradewegs zum Leuchtturm. Hübsch: An allen Laternen entlang der Straße sind Metall-Miniaturen des Leuchtturms angebracht. Sie weisen mir quasi den Weg.
Sobald ich den eigentlichen, sehr belebten Ortskern mit seinen vielen Restaurants und Geschäften hinter mir gelassen habe, herrscht „Strand-Betriebsamkeit“, denn linke Hand – gleich hinter den Dünen – ist das Meer und allerbeste Strände. Am Ende der Straße befinden sich mehrere große Parkplätze. Ich wähle den ersten, den mit der Strandbude, und laufe die letzten Meter mit typisch dänischem Softeis bewaffnet bis zum Leuchtturm zu Fuß.



Der Leuchtturm ist 39 Meter hoch. 170 Stufen muss man hoch laufen, um die Aussicht auf Dünen-Landschaft und Nordsee bis hin zu den Offshore Windparks im Meer genießen zu können. Ich habe Glück, es ist herrlichster Sonnenschein – und der taugt für einen weiten Blick einfach besser als Nebel und Niesel, das muss ich schon zugeben.
Eröffnet wurde der Leuchtturm übrigens am Silvesterabend des Jahres 1900. Im alten Wärterhaus gibt es Infos zu seiner Geschichte (weitere im Leuchtturm selbst, u.a. auf den Stufen und auf Info-Tafeln). Hier gibt es auch die Tickets (und einige Souvenirs) zu kaufen. Derzeit kostet der Aufstieg für Erwachsene 75 DKR (ca. 10€, Stand Sommer 2026).
Rund um den Leuchtturm stehen – wie vielerorts an der dänischen Nordseeküste – noch viele Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in den Dünen. Einige sind zu Kunstwerken als Bunker-Pferde umgestaltet.






Am Strand entlang, mit den Füßen im Wasser, laufe ich zurück in Richtung Parkplatz.


Ausflugstipps
Von der dänischen Westküste ist es nicht weit nach Aarhus, dem Herz der Region Midtjylland. Aarhus ist die zweitgrößte Stadt des Landes und das kulturelle Zentrum Jütlands. Hier gibt es den größten Streetfoodmarkt Nordeuropas! Dazu attraktive kleine Boutiquen, Shoppingcenter, Studentenkneipen, gemütliche Altstadtgassen und moderne Architektur. Eine tolle Mischung!
Ebenfalls in Reichweite ist Ribe, Dänemarks älteste Stadt.
Noch mehr Dänemark gibt es hier.
Fazit
Slow Travel taugt perfekt zur Erholung. Glück in den kleinen Dingen finden. Das geht an der dänischen Westküste ausgezeichnet.









Ich finde, Nordsee geht immer. Egal zu welcher Jahreszeit. Es wird (mir) nie langweilig.
Allein die Beobachtung des Himmels. Da ist ja immer so viel los! Oder die Beobachtung der Wellen. Oder das Suchen und Sammeln von Strandgut. Die Luft, das Licht! Ein Traum.









Und habe ich je in einem meiner Artikel über Dänemark Wiener Stang oder Kanelsnegl (Zimtschnecken) erwähnt? Was gibt es besseres, als bei echtem Nebel und Niesel Wetter mit eben jenem Plundergebäck vor dem Kamin im Ferienhaus zu sitzen, dazu einen Tee mit Milch zu trinken und einen dicken Schmöker neben sich??? Eben!


