Edinburgh
Nach langer Zeit verbringe ich 2025 endlich mal wieder zwei Tage in Edinburgh. Natürlich sind zwei Tage für die schottische Hauptstadt nicht ausreichend – aber einen Überblick kann man sich schon mal verschaffen. Dies ist also nur ein kleiner Appetit-Happen.
Vorab ein paar Fakten über Edinburgh
- Edinburgh ist die Hauptstadt von Schottland.
- Sie hat etwa 525.000 Einwohner (die Metropolregion über 900.000). Tendenz steigend.
- Sie ist nach Glasgow die zweitgrößte Stadt des Landes.
- Die Stadt liegt an der Ostküste Schottlands am Firth of Forth.
- Die mittelalterliche Altstadt und die georgianische Neustadt sind seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe. Begründung: Sie repräsentieren einen einzigartigen Kontrast zwischen mittelalterlicher Struktur und geplanter Stadterweiterung des 18. Jahrhunderts. Heißt auch: hier gibt es keine modernen Wolkenkratzer.
- Edinburgh ist außerdem die erste UNESCO-Literaturstadt (City of Literature) weltweit.
- Sir Nils Olav, ein Königspinguin im Zoo von Edinburgh, wurde von der norwegischen Königsgarde zum Ritter geschlagen.
- Edinburgh Castle thront auf einem inaktiven Vulkan. (Bei Instagram gab es 2026 als Aprilscherz Bilder, die einen vermeintlichen Ausbruch des Vulkans zeigen.)
- Edinburgh gilt als grünste Stadt Großbritanniens. Sie hat die meisten Bäumen pro Einwohner.
- Edinburgh ist der Geburtsort von Harry Potter. J.K. Rowling schrieb große Teile der Reihe in hiesigen Cafés und ließ sich von verschiedenen Orten der Stadt inspirieren, zum Beispiel bei der Namensgebung ihrer Figuren.
Die Hauptattraktion von Edinburgh ist seine Burg. Also beginne ich hier.
Edinburgh Castle
Ein Besuch im Castle gehört zum Pflichtprogramm in Edinburgh. Verfehlen kann man es nicht, denn es thront unübersehbar mitten im Stadtzentrum auf einem der „sieben Hügel“ (s.o.). Spannender Weise ist dieser Hügel ein erloschener Vulkan. Klingt das nicht toll?!
Wie soll ich sagen – zum Castle will hier jeder. Insofern ist es sinnvoll, das Ticket bereits einige Wochen (!) im Voraus online zu buchen. (Ich kann das ja eigentlich nicht leiden. Aus meiner Sicht ist es eine sehr negative Entwicklung, dass man sich heutzutage immer sehr weit im Voraus festlegen muss, wann man wo was besichtigen will. Was ist das dem schönen „Ich-komme-irgendwo-hin-und-entscheide-spontan-ob-ich-mir-das-ansehen-will“ geworden? Aber die Erfahrung zeigt leider auch, dass ohne Vorabbuchung oft nichts geht…) Nächste Empfehlung: Frühes Kommen sichert das Erlebnis mit den wenigsten Besuchern, denn im Laufe des Tages wird es immer voller.
Der Eintritt kostet derzeit stolze £30 (Stand April 2026). Die Führungen sind informativ, kosten extra und müssen ebenfalls vorab gebucht werden. Sie dauern eine halbe Stunde und sind auf Englisch. Alternativ gibt es einen Audioguide auf Deutsch.


Jeden Tag (außer sonntags, Karfreitag und Weihnachten) wird um 13 Uhr die One O’Clock Gun abgefeuert. Die Kanone steht auf der Mills Mount Battery im Edinburgh Castle. Das Spektakel gibt es seit 1861 und war damals als Hilfe für die Seeleute zur Abstimmung der Schiffsuhren (Chronometer) ihrer Schiffe im Firth of Forth gedacht. Heute ist es eine reine Touristen-Belustigung.
The Royal Mile
Die Royal Mile ist die Hauptstraße der Old Town. Sie verbindet Castle Rock (auf dem das Edinburgh Castle steht) mit dem Palace of Hollyroodhouse. Genau genommen ist sie allerdings nicht eine Straße, sondern eine Aneinanderreihung von fünf ineinander übergehenden Straßen: Castlehill, Lawnmarket, High Street (der bekannteste Teil), Canongate und Abbey Strand. Darüber hinaus ist die Strecke bekannt für ihre „Closes“ (s.u.), enge Gassen, die von der Hauptachse abzweigen.
Die Royal Mile ist das Herzstück der Altstadt. Hier wimmelt (!) es von Touristen. Horden sind hier unterwegs. Die Kulisse ist traumschön und man könnte meinen, man befände sich auf einer Zeitreise in die Vergangenheit. Die Menschenmassen bringen einen allerdings flugs in die Gegenwart zurück.


Entlang der Strasse finden sich zahlreiche historischen Gebäude, traditionsreiche Pubs und Geschäfte (viele mit billigen Souvenirs – leider). Zum Ensemble gehört auch immer (mindestens) ein Dudelsacklspieler im Kilt.

Seinen Namen verdankt die Royale Mile dem Umstand, dass sie tatsächlich eine königliche Residenz mit der anderen – auf etwa einer Meile Entfernung – verbindet. Der Palace of Hollyroodhouse ist das neuere Schloss von Edinburgh und bis heute offizielle Residenz des englischen Königs (ich gestehe, ich bin gedanklich immer noch zuerst bei der Queen).
Dem Palast gegenüber befindet sich das Schottische Parlament.



Gladstone’s Land ist eines der ältesten Gebäude an der Royal Mile. In dem Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert ist heute ein Museum untergebracht. Es gibt „prachtvolle Malereien aus der Renaissance und vergoldete Statuen von Raubvögeln zu sehen“. Nun. 😉
St. Giles Cathedral
Die St Giles’ Cathedral, auch High Kirk of Edinburgh, ist die Hauptkirche der Stadt. Ihr Bau begann im Jahr 1130, doch von diesem ursprünglichen Bau ist heute nichts mehr übrig. Die letzten großen Restaurierungsarbeiten fanden im 19. Jahrhundert statt, wodurch die Kirche heute eine spätgeorgianische Außenfassade und eine viktorianische Inneneinrichtung hat.
Das Auffälligste ist ihr Turm, auf dessen Spitze eine achtarmige Krone (Crown Spire) sitzt. Diese charakteristische Form macht sie zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Skyline von Edinburgh.
Berühmt ist die Kathedrale aber vor allem, weil hier John Knox, der führende Kopf der schottischen Reformation, mit seinem Bildersturm begann. Bis zu seinem Tod im Jahr 1672 war er Priester in St. Giles. Vor der Kirche erinnert eine Bronze-Statue des Bildhauers Pittendrigh MacGillivray an John Knox.
Die St. Giles Cathedral ist auch bekannt für ihre vielen Bleiglasfenster (The Stained Glass). Das älteste stammt aus dem Jahr 1873. Im späten 20. Jahrhundert kamen weitere große Fenster hinzu, wie das Burns Window des isländischen Künstlers Leifur Breidfjörd aus dem Jahr 1985.
Besonders sehenswert ist die neugotische Thistle Chapel von 1911. Die Holzschnitzereien an den Wänden und der Decke der Kapelle sind der Hammer! Wer genau hinsieht, kann Dudelsack spielende Engel entdecken!
Die Kathedrale ist täglich geöffnet. Der Eintritt ist frei, Spenden zur Erhaltung werden jedoch erbeten (die Empfehlung auf der Website liegt bei £10).
Täglich um 10:30 und 14:30 gibt es kostenlose Führungen. Sie dauern etwa eine Dreiviertel Stunde und müssen vorab online gebucht werden (schnell voll!). Alternativ gibt es eine Audio Guide Tour auf Englisch zu £5.50 (Stand April 2026) per Smartphone (Kopfhörer!).


Heart of Midlothian
Mitten auf dem Platz vor der St. Giles Cathedral ist ein herzförmiges Mosaik aus rotem Granit im Pflaster verbaut.
Es markiert die Stelle des berüchtigten Gefängnisses Old Tolbooth, das 1817 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Das Tolbooth war über 400 Jahre „das Herz der Verwaltung, Treffpunkt des Parlaments, Gerichtssitz und das Hauptgefängnis der Stadt“. Das Gefängnis war berüchtigt für brutale Haftbedingungen, öffentliche Hinrichtungen und ein zentraler Ort der Hexenverfolgungen. Hier wurde brutal verhört und gefoltert. Als Zeichen der Verachtung gegenüber dem Gefängnis, entstand die Tradition, auf das Herz zu spucken. Heute gilt es als glücksbringend, das zu tun.
Es gibt einen Roman von Sir Walter Scott mit dem Namen The Heart of Midlothian aus dem Jahr 1818, das sich auf dieses Herz-Mosaik bezieht. Scott war einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit und gilt als Begründer des Geschichtsromans. The Heart of Midlothian gilt als einer seiner wichtigsten Romane. Er thematisiert die soziale Ungerechtigkeit und das Leben im Schottland des 18. Jahrhunderts.
Auch die Hearts, der größte Fußball-Verein Edinburghs, benennen sich danach (s.u.)!
Palace of Holyroodhouse
Am unteren Ende der Royal Mile befindet sich der Palace of Holyroodhouse, die offizielle Residenz des Königs in Edinburgh. Der Palast ist für Besucher geöffnet, vorausgesetzt, die königliche Familie ist nicht gerade im Schloss anwesend.
Der Eintritt kostet £22.00 (Stand April 2026), wenn man das Ticket vorab bucht, oder £26.00 am selben Tag. Zusammen mit der Eintrittskarte bekommt man einen kostenlosen Audioguide (auch auf Deutsch). Die Tour dauert etwa eine Stunde. Leider ist es verboten im Inneren des Palastes Fotos zu machen.
Wer besonders Königs-affin ist oder eine spezielle Schwäche für Queen Elizabeth II hat, der kann ein zusätzliches Ticket für den Besuch ihrer Privaträume buchen. Dafür muss man allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen: stolze £71.00 (am selben Tag £75.00) kostet die Tour. Mehr Infos dazu gibt es auf der Website.
Closes, Wynds und Courts
Die Altstadt von Edinburgh ist berühmt für ihre „Closes“, Wynds und Courts. Die oft nur zwei Meter schmalen Gassen zweigen im Fischgrätmuster von der Royal Mile ab.
Closes enden oft in Sackgassen, während Wynds meist durchgängig sind (von „winding“, sich schlängelnd). Courts sind offene Innenhöfe, zu denen die Closes führen. Der Name „Close“ kommt daher, dass diese Gassen früher nachts mit Toren verschlossen wurden.
Die Closes waren der Zugang zu den engen Wohnhäusern der mittelalterlichen Stadt, als die Bevölkerung auf engstem Raum zwischen der Burg und dem Holyrood Palace lebte. Sie winden sich steil, eng und verschlungen am Castle Rock entlang zu den Princess Gardens.
Die bekanntesten sind Mary King’s Close, Advocates Close und Dunbar’s Close.
Dunbar’s Close hat einen versteckten Garten im Stil des 17. Jahrhunderts, in Writer’s Close lebten bekannte Autoren wie Robert Burns und White Horse Close hat einen malerischen Innenhof, der vielen als einer der schönsten Orte in der Altstadt gilt.



Überall groß beworben wird die Führung zu „The Real Mary King’s Close“, einer unterirdischen, ca. 1,70 Meter breiten Gasse aus dem 17. Jahrhundert. An deren Beispiel werden die schwierigen Lebensbedingungen in der Enge der sechsgeschossigen Bebauung mit kaum Licht und Luft zum atmen aufgezeigt. Das Ganze wird blumig ausgeschmückt mit Pest- und Geistergeschichten, wie etwa, dass Menschen während einer Pest-Epedemie in ihren eigenen Häusern eingemauert und ihrem Schicksal überlassen wurden. Oder das Mädchen Annie, das hier spuken soll. Ihr ist ein Schrein mit Kuscheltiere gewidmet.
Die Führung durch das unterirdische Labyrinth dauert etwa eine Stunde. Der Ticketpreis für die „normale“ Tour liegt aktuell bei £25.00 (Stand April 2026). Es gibt eine ganze Reihe weiterer Themen-Führungen. Am besten auf der Website checken und die Tickets vorab buchen. Die Touren sind beliebt und oft ausverkauft.
Grassmarket & Victoria Street
Der Grassmarket liegt am Fuße des Edinburgh Castle.
Vom „Burgberg“ kommend erreicht man ihn durch die schmale Gasse Castle Wynd oder über die Cowgate, deren Name noch an die ursprüngliche Funktion als „Rinder-Eingangstor“ erinnert. Oder man nimmt die von der George IV Bridge abzweigende Victoria Street.
Die Victoria Street ist eine der berühmtesten, meistfotografierten und farbenfrohsten Straßen der Stadt. Sie stammt aus der Zeit zwischen 1829 und 1834. Das besondere an der Straße ist zum einen ihre gewundene Form, zum anderen, dass sie sich auf zwei Ebenen befindet, die untere Straße und die obere Terrasse. Von oben hat man einen tollen Blick auf den unteren Teil Richtung Grassmarket. Als würde das nicht schon reichen, sind die vielen kleinen Geschäfte in besonders bunten Farben gestrichen. Das schafft eine fröhliche Atmosphäre!
Über die Victoria Street heißt es, sie sei J. K. Rowlings Vorbild für die Winkelgasse in Harry Potter gewesen. Es ist bekannt, dass sie große Teile des ersten Teils im Pub The Elephant House, das damals noch in der George IV Bridge stand. Das Pub gilt daher als „birthplace of HP“. Nach einem Brand wurde das Pub leider geschlossen, allerdings gibt es inzwischen in der Victoria Street runter gleichem Namen ein neues Pub, das unzählige Potter Heads aus der ganzen Welt anlockt. Die Menschen stehen Schlange, um rein zu kommen, obwohl meines Wissens nach nicht bekannt ist, das J.K. Rowling jemals hier gewesen ist… Potter-Fans dürften dennoch auf ihre Kosten kommen, denn es gibt Butterbier (für „nur“ 6 Euro).



Der Grassmarket ist ein langgestreckter, kopfsteingepflasterter Marktplatz, auf dem seit 1477 ein Markt für Vieh und Pferde abgehalten wurde. Er ist er einer der ältesten Märkte Großbritanniens. Heutzutage findet samstags ein Wochenmarkt mit lokalen Produkten und Handwerkskunst statt.
Auch an Nicht-Markttagen wimmelt es hier von Einheimischen und – mehr noch – Touristen. In den bunten Häusern rings um den Platz gibt es haufenweise Pubs, wie z.B. The Wee Pub, das damit wirbt, Schottlands kleinstes Pub zu sein, internationale Restaurants und kleine, unabhängige Boutiquen.
Besonders cool sind Armstrong’s Vintage, ein Laden für skurrile Vintage-Kleidung und Mr Wood’s Fossils, wo es – klar – Fossilien zu kaufen gibt, was ja an sich schon ebenfalls sehr skurril ist.
Beliebt ist auch die Retro-Eisdiele Mary’s Milk Bar. Das Eis ist teuer, aber wirklich ausgesprochen lecker. Wer mag, kann gleich noch einen Beutel mit dem Retro-Schriftzug der Eisdiele dazu kaufen.



Hier ging es nicht immer nur lustig zu, der Grassmarket hat auch eine dunkle Vergangenheit: früher fanden hier Hinrichtungen statt. Ein Denkmal auf dem Platz erinnert an über hundert Covenanters, die dort im 17. Jahrhundert starben. (Covenanters waren schottische Protestanten des 17. Jahrhunderts, die geschworen hatten, den Presbyterianismus gegen die anglikanische Kirche zu verteidigen.)
Greyfriars Kirkyard
Ein paar Meter weiter liegt der Greyfriars Kirkyard, ein besonders hübscher, kleiner Friedhof. Ich habe ein Faible für alte Friedhöfe. (Weitere schöne Friedhöfe der Welt gibt es hier.)
Dieser Friedhof ist allerdings beileibe kein Geheimtip, sondern touristisch voll erschlossen. Das liegt aber weder an seiner Lage am Hang mit schönem Blick über die Stadt, noch an den alten Grabstätten an sich, noch daran, dass hier übermäßig bekannte Prominente begraben wären.


Es liegt vielmehr daran, dass sich J.K. Rowling offensichtlich auch hier zu Harry Potter hat inspirieren lassen. Auf dem Friedhof gibt es das Grab von Thomas Riddell. Bei J.K. Rowling wurde er zu Tom Riddle, aka Lord Voldemort. Aber auch andere Namen aus Harry Potter tauchen hier auf (oder andersrum?!), z.B. Mc Gonagall und Moody.
Auf den Fotos oben sieht es so aus, als wäre ich hier alleine unterwegs. Das ist leider mitnichten der Fall. Es hat mich Zeit und Mühe gekostet, die Bilder ohne Menschenmassen aufzunehmen. Nicht wenige professionelle Sightseeing-Touren führen hier durch. Tatsächlich zerstören sie in meinen Augen die Atmosphäre des Friedhofs. (Aber klar, auch ich bin natürlich ein Teil davon.)



Greyfriars Bobby
An der Ecke, an der man von der Candlemaker Row nach rechts zum Friedhof abbiegt, befindet sich die Greyfriars Bobby’s Bar. Ihr gegenüber steht die kleine Statue, die an den Skye Terrier Greyfriars Bobby erinnert. Der rührt die Herzen der Menschen dadurch, dass er 14 Jahre lang das Grab seines Herrchens, dem Polizisten John Gray, bewacht haben soll. Ab dem Tag dessen Todes im Jahr 1858 verbrachte der Terrier seine Zeit an Johns Grab. Angeblich verließ er den Platz nur, um sich in einem nahe gelegenen Café ein Mittag „abzuholen“. Nachdem der Hund gestorben war, wurde er heimlich auf demselben Friedhof beigesetzt, obwohl dieser natürlich eigentlich den Menschen vorbehalten ist. “Let his loyalty and devotion be a lesson us all” ist dort zu lesen.

Cockburn Street
Von der Royal Mile in Richtung New Town geht die Cockburn Street ab, ähnlich gewunden und steil wie die Victoria Street in die andere Richtung. Auch hier gibt es viele interessante kleine Geschäfte und nette Cafés, allen voran die beiden Filialen (Nr. 7 und 52) von The Milkman. Sehr instagrammable.



New Town
Die Neustadt von Edinburgh liegt nördlich der Old Town, getrennt von ihr durch die Princes Street Gardens, die im ehemaligen Nor Loch angelegt wurden, und den Hauptbahnhof Waverley Station. Sie ist im georgianischen Stil des 18. und 19. Jahrhunderts erbaut, das „Neu“ in Neustadt ist also relativ zu sehen. Sie hat breite Straßen, eine „geordnete Rasterstruktur“ und gehört ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe.
Auch hier findet man viele tolle Plätze, wie den Charlotte Square, attraktive Straßen, wie die Princess Street und die George Street, bedeutende Gebäude wie das Georgian House, in dem sich ein Museum befindet, das das Leben im 18. Jahrhundert zeigt, und die National Gallery sowie eine ganze Reihe eleganter Restaurants.
Als Kontrast zur mittelalterlichen Altstadt bietet die New Town erstklassige Einkaufsmöglichkeiten auf der Princes Street und George Street.
Princess Street
Die Princes Street ist eine ehemalige Prachtstraße und gilt heute als wichtigste Einkaufsstraße von Edinburgh mit vielen modernen Geschäften und großen Kaufhausketten. Die Straße ist stark befahren, von Autos, (Sightseeing-)Bussen und Straßenbahn.
Ein Bummel lohnt sich auf jeden Fall, auch ohne Kaufabsicht, nicht zuletzt, weil man von hier einen wunderschönen Blick auf die Altstadt, die Princess Street Gardens und den Castle Rock hat.


The Balmoral Hotel
Das The Balmoral Hotel ist ein 5-Sterne-Hotel, das 1902 an der Princes Street ursprünglich als North British Station Hotel eröffnete. Das Hotel gilt als eine der ersten Adressen für Luxus in Schottland. Leider definitiv nicht meine Preisklasse!
Das Gebäude ist wegen seines markanten Uhrenturms ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt. Dazu gibt es eine lustige Geschichte: Der Erbauer das Turms hatte die nützliche Idee, den Reisenden vom nahegelegenen Bahnhof einen kleinen Zeitpuffer zu verschaffen, indem er die Turmuhr drei Minuten vorgehen ließ. Das hält sich nun seit über hundert Jahren genau so (einzige Ausnahme: Zu Silvester geht die Uhr pünktlich!). Ansonsten: Drei Minuten plus! 😉
Dem Hotel angegliedert ist das Restaurant Number One, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist. Zu den prominenten Gästen zählen Paul McCartney oder Mick Jagger. Und für die, die’s interessiert: J.K. Rowling beendete im Balmoral Hotel ihre Harry Potter Serie. Aus diesem Grund kann man sich inzwischen in der „J.K. Rowling Suite“ einbuchen.


Scott Monument
Neben dem Balmoral Hotel steht das recht imposante Monument, das an den schottischen Schriftsteller Sir Walter Scott erinnert. Dessen bekanntestes Werk ist Ivanhoe, einer der ersten historischen Romane der Welt, mit dem er den Grundstein legte für ein ganz neues literarisches Genre. Durch seinen enormen Einfluss auf die Literatur wurde ihm direkt nach seinem Tod im Jahr 1832 am Rande der Princes Street Gardens dieses viktorianisch-gotische Denkmal gesetzt, dessen Turm fast 62 Meter hoch ist und in dessen Mitte der Schriftsteller sitzt.
Calton Hill
Am Ende der Princess Street kommt man zum Calton Hill. Ich würde sagen, es handelt sich um ein Must-See, da man von hier den schönsten Blick über die Stadt hat. Der Blick vom Arthur’s Seat, dem Hausberg von Edinburgh, ist definitiv konkurrenzfähig, aber a) weiter weg und b) deutlich aufwändiger zu erreichen. 😉

Dank des gepflasterten Wegs, der auf den Hügel führt, ist der Gipfel schnell erreicht. Oben angekommen, erwarten einen nicht nur der großartige Rundblick auf Edinburgh Castle, die Flaniermeile Princess Street, auf den Hafen und auf „Arthur’s Seat“, sondern auch einige interessante Gebäude, wie das National Monument of Scotland, das vom Parthenon in Athen inspiriert wurde.
Das Dugald Stewart Monument wurde 1831 zu Ehren des einflussreichen schottischen Philosophen Dugald Stewart (1753–1828) errichtet. Es steht sehr fotogen am Rand des Hügels mit Blick Richtung Castle. Der von William Henry Playfair entworfene Rundtempel mit seinen acht Säulen hat sich zu einem weiteren Wahrzeichen Edinburghs gemausert.
Ab und an weht der Wind aus der Ferne ein paar Töne der Dudelsackspieler, die an verschiedenen Orten der Stadt, wie der Princess Street oder der Royal Mile für Geld spielen, herauf.

Stockbridge
Mein Highlight ist das Viertel Stockbridge. Hier war ich vorher noch nicht und ich bin hingerissen von dem dörflichen Flair und den vielen zauberhaften, kleinen Läden, die ich hier „entdecke“.
Im Grunde ist hier natürlich alles längst entdeckt. Instagram läßt ja kaum noch Unentdecktes zu. Trotzdem fühlt sich meine Stippvisite wie eine Entdeckungstour an. Geheimtipps sind das aber (leider) keine.
In der Circus Lane begegnen mir auch gleich mehrere Mädels, die eindeutig für weitere Instagram-Bilder posieren, inklusive der farblich abgestimmten Kleidung. Wettertechnisch ist alles nach meinem Geschmack, aber auf Instagram macht sich blauer Himmel immer besser. 😉


Besonders nett sind die St. Stephen St mit Blick auf die St Stephen’s Church (typisch: namentechnisch ist man hier wenig originell 😉 ) und der Stockbridge Market Arch.
Bezüglich der kleinen Läden kann ich nur die Empfehlung aussprechen: Treiben lassen und Augen auf. Der Rest ergibt sich!
Einen Tipp habe ich noch. Das The Pantry, ein stylisches Café am North West Circus Place. Das Essen (in meinem Fall Frühstück) ist ober-lecker und das Personal sehr freundlich. Offensichtlich ist der Laden total angesagt, denn ich kann mich glücklich schätzen, einen Platz zu bekommen.






Dean Village
Für mich geht es von Stockbridge über den Water of Leith Walkway entlang weiter in Richtung Dean Village.
Das Dean Village befindet sich in einer steilen Schlucht direkt am Wasser. Seit dem 12. Jahrhundert war hier das Zentrum der Getreidemüllerei von Edinburgh. Das alte Mühlendorf besticht heute durch seine idyllische Architektur, kopfsteingepflasterte Wege und eine vergleichsweise ruhige Atmosphäre, nur wenige Gehminuten von der geschäftigen Princess Street entfernt.
Die Gebäude aus rotem Sandstein, Fachwerkhäuser und das markante Well Court-Gebäude mit seinem Uhrenturm wirken in der Tat sehr malerisch.
Dean Village ist ein guter Ort, um den Touristenmassen der Innenstadt zu entfliehen. Aber bloß nicht denken, das Dean Village sei „unentdeckt“: Es gilt als eines der am meisten fotografierten Viertel Edinburghs (Stichwort „Postkarten-Idylle“)! Es mag am regnerischen Wetter liegen, aber ich habe Glück, denn es ist tatsächlich relativ wenig los!



Extra-Tipp: Heart of Midlothian
Hier habe ich noch einen Tipp für ein besonderes Erlebnis in Edinburgh: Ich empfehle den Besuch eines Fußballspiels von Heart of Midlothian! Man muss nicht zwingend Fußball-Fan sein, schon gar nicht Fan der Heimmannschaft, damit sich der Besuch lohnt. Es ist ein Spektakel. (Mein Stadionbesuch liegt leider schon einige Jahre zurück, ist also nicht bei diesem Edinburgh Aufenthalt entstanden. Aber ich denke oft und gerne daran zurück!)
Der Name und das Vereinswappen (ein Herz, klar) sind vom „Heart of Midlothian“-Mosaik (s.o.) auf der Royal Mile inspiriert.
Das Heimstadion der Hearts liegt mitten in einem Wohngebiet. Das hatte mich damals total irritiert bei der Anreise. Ich erwartete immer aus der Stadt heraus geführt zu werden, ein Stadion irgendwo im Nirgendwo, auf der grünen Wiese. Aber nein, fast versteckt hinter Einfamilien-Reihenhäusern und Pubs, die selbstredend fest in Hearts-Hand sind, liegt das Tynecastle Stadium im Stadtteil Gorgie.
Ich ergattere kurzfristig eine Karte für ein Pokalspiel (in der Liga vielleicht schwieriger?). Aber auf das Spiel kommt es mir gar nicht an, mehr auf die Atmosphäre im Stadion. Und die Rechnung geht voll auf. Mein Highlight ist ein älterer Herr (Typ „englischer Gentleman„), der – als das Stadion nach dem 1:0 der Hearts völlig außer Rand und Band ist – mit ruhiger Stimme kommentiert: „Well done“.
Edinburgh hat zwei große, traditionsreiche Fußballvereine, die in der höchsten schottischen Liga, der Scottish Premiership, spielen: Die Hearts und die Hibs (Hibernian Edinburgh). Diese bestreiten das berühmte „Edinburgh Derby“. Ich schätze, dafür an Karten zu kommen, ist illusorisch.
Anreise
Von mehreren deutschen Städten gibt es Direktflüge, meist mit Billig-Airlines wie RyanAir und EasyJet, nach Edinburgh (EDI), z.B. von Hamburg, Stuttgart, Berlin und Düsseldorf.
Der Flughafen Edinburgh ist der größte internationale Flughafen in Schottland und liegt etwa neun Kilometer westlich des Zentrums. Die einfachste Verbindung vom/ins Zentrum ist mit dem Bus 100 von Airlink. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde bis/ab Waverley Station oder 20 Minuten ab/bis Haymarket Station. Die Bezahlung erfolgt per Karte beim Fahrer.
Der Hauptbahnhof von Edinburgh ist Edinburgh Waverley (oft auch Waverley Station genannt). Er liegt direkt im Stadtzentrum zwischen der Altstadt und der Neustadt, am östlichen Ende der Princes Street.
Er ist der Hauptknotenpunkt für Intercity-Züge (z. B. East Coast Main Line nach London) und Regionalzüge.
Ein weiterer wichtiger Bahnhof im Westen ist Haymarket. Hier komme ich mit ScotRail von Glasgow Queen Street Station an. Alle 15 Minuten fährt ein Zug zwischen Edinburgh und Glasgow, die Fahrt dauert 50 Minuten. Tickets gibt es über die Scot Rail App.
Mit ein bisschen Zeit lohnt sich die Anreise mit dem Zug von London King’s Cross nach Edinburgh. Die Fahrt dauert knapp viereinhalb Stunden. Tickets und Infos (auch auf Deutsch) gibt’s auf der Website von London North Eastern Railway (LNER). Auch hier gilt das Motto: „Frühes Kommen/Buchen sichert die günstigsten Preise“!
Fazit
Edinburgh ist traumschön.
Im Sommer – aber das gilt leider inzwischen für fast alle Großstädte – würde ich die Stadt eher meiden, weil sie leider total überlaufen ist. Selbst Frühjahr und Herbst sind voll.
Trotzdem, ich wiederhole: Edinburgh ist traumschön. Definitiv (mindestens) eine Reise wert.
Schon auf Stadtgebiet kann man Stadt (z.B. Royal Mile & Princess Street) und Land (z.B. Wanderung auf Arthur’s Seat) genießen. Es gibt so viel zu tun: Für Liebhaber. Für Liebhaber von Städtereisen. 😉 Für Potter Heads. Für Royalisten. Für Fußball-Fans. Für Geister-Fans. Für Burg-Begeisterte. Und für alle anderen auch.
Ein Wochenende reicht höchstens als Schnupperkurs und – wie eingangs erwähnt – als Appetit-Macher für mehr.
A propos: Auch für Meer. Von hier läßt sich hervorragend die die Küste nördlich von Edinburgh erkunden. Die Fischerdörfer des East Neuk of Fife sind zauberschön, urig und relativ untouristisch (viel weniger als beispielsweise die Fischerdörfer in Cornwall) und nur einen Katzensprung entfernt.
Oder das Dreieck Edinburgh – Stirling – Glasgow.
Na, und der „Rest“ von Schottland ist ja sowieso märchenhaft schön. Also, wenn man schon in der Gegend ist… Zu tun gibt es genug! Anregungen zu mehr Schottland gibt es hier.


