Warum nach England?
Ich liebe England.
Nicht, dass ich dort alles nur schön finde. Oder besser, als in Deutschland. Aber ich fühle mich dort sauwohl!
Im Vergleich mit meinem sozialen Umfeld würde ich sagen, dass ich schon relativ viel gereist bin. In 65 Ländern dieser Welt war ich bisher, an vielen verschiedenen, sehr interessanten Orten. Das Schönste aber von allem, das ich bisher gesehen habe, das, wo das „Gesamtpaket“ für mich am besten passt, ist Cornwall im äußersten Südwesten Englands. (Den „Rest“ von England mag ich aber auch!)



Englische Farben
Am meisten mag ich die Farben. Zum einen die Farben der Landschaft, zum anderen aber auch die Farben, in denen beispielsweise die Haustüren, die Hauswände oder die Holzverkleidung der kleinen Läden gestrichen sind. Alles à la Farrow and Ball.
Überhaupt – die vielen kleinen Läden, die alle hübsch aussehen!









Pubs
Großartig finde ich auch die englischen Pubs (Abkürzung für Public House). Die gibt es in England in großer Zahl und in jedem noch so kleinen Ort. Manchmal besteht ein Dorf gefühlt nur aus einer Kirche und einem Pub. In größeren Städten kann es auch mehrere in einer Straße geben.
Für jemanden, der noch nie in England war (soll es ja geben), mag es vielleicht hilfreich sein, ein paar Tipps zu bekommen, wie englische Pubs „funktionieren“.









Pubs haben oft ähnliche Namen. Ich glaube der häufigste ist The Red Lion, oder leicht abgewandelt The Golden Lion. Aber auch Lamb, Hare oder Horse sind – in verschiedenen Kombinationen, manchmal auch alle zusammen – beliebt, ebenso The White Hart. Oder der Bezug zum britischen Königshaus durch Namen wie The Crown, Kings/Queens Head/Arms, The Royal Oak oder The Crown. Originalität ist hierbei nicht sehr gefragt.
Quasi alle Pubs sind sehr gemütlich eingerichtet, manchmal mit dunkler Holzvertäfelung, Bildern einer englischen Fuchsjagd an der Wand, brennendem Kamin oder dicken Teppichen, oft brechend voll. Hier trifft man sich spätestens am frühen Abend auf ein oder mehr (Feierabend-)Bier. Seit das Rauchen 2007 in Pubs verboten wurde, bilden sich oft große Menschentrauben davor. Die Getränke nimmt man mit nach draußen.
Bestellt werden diese üblicherweise an der Bar, wo sie sofort bezahlt werden. Trinkgeld ist unüblich. Man sollte sich vor der Bestellung überlegen, welche Biersorte (z.B. Ale, Stout, Lager) man möchte, denn es gibt nie nur eine Sorte. Um Nachfragen zu vermeiden, also am besten gleich die gewünschte Sorte und Größe (Pint oder Half Pint) nennen. In Gruppen wird reihum geordert und gezahlt.
Viele Pubs bieten auch Essen an (mitunter aber nur bis zum frühen Abend). Manchmal gibt es im Obergeschoß einen separaten Raum mit Service, ansonsten gilt Selbstbedienung. Typische Gerichte sind Fish&Chips, Steak&Ale Pie oder Shepherd´s Pie (mit Lamm), Burger, Mac ’n‘ Cheese und Currys. Üblicherweise stehen auf jedem Tisch Ketchup, Mayo, Vinegar (Essig zu den Pommes) und Worcester Sauce. Sonntags trifft man sich traditionell zum Sunday Roast. Das absolut Typischste als Beilage bei Pub Food sind Mushy Peas (weich gekochte, oft leicht zermatschte grüne Erbsen, oft mit Minze zubereitet).


Die Sperrstunde um 23 Uhr ist zwar abgeschafft, trotzdem achten Pubs meist peinlich genau auf die Einhaltung ihrer Öffnungszeiten und es gibt oft noch die Glocke, die zur „last Order“ ruft. Dann hat man noch 20 Minuten für die letzte Bestellung. Das kommt mir sehr entgegen. Ich konnte nicht mal, als ich jung war, die Nacht zum Tag zu machen. Vielleicht war ich in meinem früheren Leben Engländerin?!?
In vielen Pubs wird Darts oder Billard gespielt. Sehr beliebt sind auch das (meist dienstags stattfindende) Pub Quiz. Und Fußball auf großen Monitoren läuft eigentlich immer.
Übrigens: Da in jedem Pub Alkohol ausgeschenkt wird, dürfen Gäste unter 18 Jahren nicht mit rein, es sei denn, es gibt einen abgetrennten Essbereich.
Lesetipp: Great Pubs of England aus dem Prestel Verlag
London
Meine Lieblingsstadt ist London (von allen, nicht nur englischen Städten).
Ich stehe total auf die Mischung von alt und neu, die es in meinen Augen in dieser Form nur in London gibt. Mega-moderne Wolkenkratzer wie 20 Fenchurch Street („Walkie Talkie“), 22 Bishopsgate („The Gherkin“ = Die Gurke), The Shard, 70 St Mary Axe („Can of Ham“ = Dose Schinken), Heron Tower, Leadenhall Building („Cheesegrater“ = Käsereibe) neben historischen Gebäuden z.T. aus dem vorletzten Jahrhundert.
Und auch das ist etwas, was ich an den Engländern so schätze: Ihren Humor, schwarz und selbstironisch. Dass die Hochhäuser alle gleich den passenden Spitznamen bekommen, ist doch wundervoll. Darin sind die Engländer Weltmeister.
Mich fasziniert, wie schnell sich London verändert. Eine Stadt, die so eng bebaut ist und so viele historische Gebäude hat, erfindet sich trotzdem permanent neu. Kaum war ich ein paar Jahre nicht hier, sind neue Wolkenkratzer und ganze Stadtviertel entstanden/entwickelt. Hackney Wick zum Beispiel. Oder die Gegend rund um Kings Cross. Oder Nine Elms bei der Battersea Power Station. Alles alt und trotzdem neu!



Zusammenfassung 1
Was haben wir bis jetzt? Ich fasse kurz zusammen:
- Englische Farben.
- Englische Landschaft.
- Holzverkleidete Geschäfte.
- Pub-Leben.
- Pub Essen.
- Öffnungszeiten (frühes Kommen, frühes Gehen).
- Pub Quiz.
- Pub-Einrichtung (Gemütlichkeit).
- Was ich bisher unterschlagen habe, sind die kunstvoll gemalten Angebots-Tafeln. Die sind ganz typisch. Oft gepaart mit Punkt 10 (Humor). Beispiel: „Beer: Helping Ugly People Have Sex Since 1200“. Oder „Soup of the Day: Whiskey with Ice Croutons“. Oder „Alcohol: Because no great story ever started with someone eating a salad“.
- Humor (mit Händchen für treffende Spitznamen).
- Wolkenkratzer in London.
- Und die Kombination von Alt & Neu.
Okay, die ersten zwölf. Das war aber noch (lange) nicht alles, was ich an England mag.
Skuriles
Hier gibt es grandiose Skurilitäten zu entdecken. Ein paar Beispiele?
- Viele englische Omis färben sich die Haare in rosa-lila Tönen.
- Sonnenbrände von Engländern (meist im Süden, zuweilen aber auch in der Heimat) sind legendär.
- An den landschaftlich schönsten Orten bauen die Engländer Spielhallen (Amusements).
- Bingo ist weit verbreitet.
- Zur Standard-Ausstattung eines englischen Wohnzimmers gehört ein künstlicher Kamin.
- Häufig haben englische Badezimmer keine Mischbatterie, stattdessen aber Teppichboden!
Wer einen genialen Blick für die Besonderheiten der Engländer hat(te), ist (der leider 2025 verstorbene) Martin Parr, seines Zeichens selbst Engländer. Er war Fotograf, und seine Spezialität waren Bilder aus dem englischen Alltag. Ein Fest!
Auf dem Land
Außerhalb der Städte wird es schnell ländlich. Single Track Roads sind keine Seltenheit. Schön zum Gucken, oft nicht so schön zum Fahren, besonders, wenn man nicht an den Linksverkehr gewöhnt ist.
Um so schöner sind die vielen, vielen gut ausgeschilderten Wanderwege, die es im ganzen Land gibt. Mein Favorit ist der Coast Path in Cornwall, aber empfehlenswert ist auch der Coleridge Way in Somerset. Oder der Cotswold Way, der 164 Kilometer von Chipping Camden ins traumschöne Bath durch eine der wundervollsten Landschaften Englands führt.
Auf englischen Wanderwegen gehört es dazu, dass man über Gatter und Zäune klettern muss, die verhindern, dass Kühe und Schafe ihre Weiden verlassen. Da muss man schon mal mitten durch eine Kuhherde durch. Und hinter jeder Ecke, um die man biegt, flattern aufgeschreckte Fasane in die Luft.



Mit das Schönste an England sind seine Dörfer. Gerade die Küstendörfer Cornwalls, die sich um eine kleine Hafenbucht ranken, begeistern mich. Oder die Dörfer in den Cotswolds, die alle aussehen, wie aus dem Bilderbuch. Ich kann mich nie entscheiden, welches das Schönste ist.






Neben London, Cornwall und den Cotswolds gibt es viele weitere lohnenswerte Ziele in England. Devon zum Beispiel. Aber auch der Norden hat einiges zu bieten: Der Lake District beispielsweise, gilt vielen als eine der schönsten Gegenden in England. Oder der Peak District Nationalpark, in der Nähe von Manchester, und die wilde Küste Northumberlands, an der Grenze nach Schottland, und die historischen Grafschaften in Yorkshire. So viel schöne Gegend!
Wenn man also zu Fuß durch die leicht hügelige Landschaft Englands wandert, kommt man nicht umhin, sich über das englische Wetter Gedanken zu machen. Und das hat schließlich einen Ruf zu verteidigen… Also ja, in England regnet es oft. Ich mußte schon ein paar Mal Wanderungen abbrechen oder umplanen, weil die Wege einfach zu muddy oder gar komplett überflutet waren. Aber davon darf man sich die Stimmung nicht vermiesen lassen. Dann kehrt man einfach in ein gemütliches Pub (s.o.) oder ein nicht weniger gemütliches Café (das nächste ist nie weit entfernt) zum Afternoon Tea und ein nettes Schätzchen ein, denn nichts machen die Engländer lieber, als einen Plausch – speziell – über das Wetter zu halten. Und die Engländer sind sooo freundlich und höflich! Und stets voll des Lobes für sämtliche Englisch-Kenntnisse (egal, auf welchem Level, denn in jedem Fall „Besser als mein Deutsch!“).
Zusammenfassung 2
An dieser Stelle nochmal eine kurze Zusammenfassung, was seit der letzten Zusammenfassung noch dazu gekommen ist:
- Martin Parrs Bilder in real life.
- Es gibt quasi nur schöne Dörfer.
- Und es gibt viele Wanderwege durch traumschöne Landschaft mit Dörfern.
- Diese Wege sind gut ausgeschildert.
- Gemütliche Pubs (Dopplung zur ersten Zusammenfassung, ich weiß. Ist aber auch doppelt gut.)
- Gemütliche Cafés.
- Afternoon Tea.
- Schwätzchen mit Engländern/Engländerinnen.
- Sie sind freundlich.
- Sie sind höflich.
- Sie loben deine Englischkenntnisse.
- Sie sprechen dich – das erwähnte ich bisher nicht – mit Kosenamen an, „my Dear“!
24 gute Gründe für England so far…
Afternoon Tea
Afternoon Tea. Das muss ich nochmal aufgreifen.
Der Afternoon Tea ist eine klassische britische Tradition, die weit mehr ist als einfaches Teetrinken. Er ist ein Erlebnis; ein Zeremoniell, das traditionell zwischen 15 und 17 Uhr stattfindet. Die klassische Variante sieht vor, dass ein festes Menü auf einer Etagere (dreistöckig!) serviert wird. Darauf sind folgende „Schweinereien“, nein, Köstlichkeiten zu finden (von unten nach oben, in der Reihenfolge, wie das Ganze zu essen ist): erst Finger-Sandwiches (z. B. mit Gurke, Kresse, Lachs und Ei), dann Scones mit Clotted Cream (dickflüssige Sahne = mein Highlight!) und Marmelade und zuletzt Törtchen, Petit Fours oder Kuchen.
Dazu gibt’s schwarzen Tee, wahlweise Earl Grey oder English Breakfast in der Kanne serviert. Die einzige Frage, die jetzt noch zu klären bleibt: Bist du Mif oder Tif (Milk in first oder Tea in first)? Ich bin ganz klar die Tif-Fraktion.

Street Art
Street Art. Habe ich überhaupt schon was zur großartigen Street Art Szene Englands gesagt? Allein deswegen würde eine Reise nach England lohnen!
Der Superstar unter allen Street Art Künstlern ist Banksy. Über ihn weiß man nicht viel mehr, als dass er a) großartige Kunstwerke kreiert und b) aus Bristol stammt.
Der gesamte Osten Londons ist voll mit großartigen, wirklich kunstvollen Graffiti.
Oder das Northern Quarter in Manchester! Und in Rochdale! Rochdale hat sich zu einem Hotspot für Street Art entwickelt, besonders durch das Common Walls International Mural Festival, bei dem zehn Gebäude im Stadtzentrum (rund um die Drake Street, Smith Street, Baillie Street und Bell Street) mit Wandbildern in Kunstwerke verwandelt wurden.
Oder im Baltic Triangel in Liverpool. Oder die vielen Fußball-Murals rund um die Anfield Road, dem Stadion des FC Liverpool. DAS ist Heldenverehrung! 😉



Very British
Ein paar wirklich typisch britische Sachen hätte ich noch. Ob die jedem als Reisegrund taugen, weiß ich nicht, aber es schärft vielleicht das Bild.
Typisch sind: Tattoos, kurze Hosen & oberkörperfrei bei Minusgraden, Schuluniform, Punks, Tweed, Barbour-Jacken & Gummistiefel, Hüte, Crumble oder Trifle, Vinager Crisps von Walker, Softeis, Full English Breakfast mit Baked Beans auf Toast, Bacon, Spiegeleier, Cumberland Sausages und gebratene Tomaten & Pilze, der salzige Brotaufstrich Marmite, Worcester Sauce, Meal Deal, Cornish Pasties, Fußball Hooligans, Tennis (Wimbledon), Rugby, Cricket, Crocket, Darts, Schwimmen im klassischen Freibad „lido“, Fuchsjagd, Pferderennen (Ascot) & Windhundrennen, Selbstironie (Martin Parr) und schwarzer Humor (Monty Python), schlechtes Wetter und des Reden darüber, Schlange stehen & Höflichkeit; my Dear & my Darling, Linksverkehr, schwarze Taxis & rote Doppeldecker, Single Track Roads, Mövengeschrei, Meer, Königshaus, „Trooping the Colour“-Parade, Union Jack.



Kurz Luft holen.
Der Doktor & das liebe Vieh, Mrs Marple, The Crown, Peaky Blinders – Gangs of Birmingham, Slow Horses, James Bond, MI5 und MI6, Harry Potter, Downton Abbey, Sherlock, Mr. Bean, Amusements, Bingo, Liegestühle & Piers, Sprache: vom Cockney-Akzent in London bis Scouse-Akzent in Liverpool, Beatles, Rolling Stones, Queen, Amy Winehouse, Coldplay, Oasis, Ed Sheeran, Adele, Take That & Spice Girls, Pink Floyd, Harry Styles, The Cure, The Who, Hugh Grant & Emma Thompson, Judi Dench, Kate Winslet, Liberty’s, Harrod’s, Fortnum & Mason, Harvey Nichols, Next, Selfridges, Top Shop, Debbenham’s, Burberry, Barbour, Tube, Doppeldecker-Busse, schwarze Taxis, Themse, Mind the Gap, Keep calm and carry on, Mini & Rollce Roys, Pimm’s, Cider, Lager, Ale, Chesterfield Sofa, Wolldecke, Fenster zum Hochschieben, Burleigh Geschirr, Fasane, Hasen, Schafe, Labrador Retriever, Beagle, Border Collie, der königliche Welsh Corgi Pembroke, die englische Bulldogge, Cocker Spaniel, Jack Russell Terrier, The Sun, The Daily Mirror, The Daily Telegraph, The Guardian, Financial Times, Homes&Garden, Englische Gärten: Rasen & Rosen, William Shakespeare, Jane Austen, Jack The Ripper, Brontë-Schwestern, Charles Dickens, Oscar Wilde, Agatha Christie, Edgar Wallace, Peter Hase , Paddington Bär, Winnie the Pooh, J.R.R. Tolkien, Enid Blyton, Burgen, Schlösser und Zinnminen, Bank Holidays als zusätzliche freie Tage, Fish&Chips, Currys, Pub Food, Farrow&Ball und Kate Moss.
Bestimmt habe ich die Hälfte vergessen.
Hm. Trotzdem bin ich nicht ganz sicher, ob ich hier deutlich (genug) machen konnte, wie toll England ist. Manchmal taugen Bilder besser als Worte. Mein letzter Versuch: Diese Sammlung auf Pinterest zeigt schön, was England alles vereint!
Anreise
Und übrigens: Man muss noch nicht mal fliegen, um nach England zu kommen (aber man kann!). Ich empfehle den Eurostar ab Köln! Es gibt Verbindungen über Brüssel, Paris und Lille.
Aber es gibt auch zahlreiche Direktflüge (z.B. von Berlin, Düsseldorf, Köln/Bonn, Frankfurt, Hamburg und noch einige mehr) nach England, darunter mit Billigfliegern wie Eurowings und Ryanair, aber auch mit Lufthansa und British Airways.
Die meisten Verbindungen gehen nach London, wo es gleich vier Flughäfen gibt: Heathrow, Stansted, Gatwick und Luton. Es gibt auch Direktflüge nach Manchester und Birmingham.
Die Flugzeit beträgt meist weniger als zwei Stunden.
Wichtig: Ab 2025 benötigen deutsche Staatsangehörige eine elektronische Reisegenehmigung (ETA) für die Einreise nach England. Das ist aber fix erledigt mit der App UK ETA (bei mir hat es tatsächlich nur ein paar Minuten gedauert).
Ansonsten gibt es natürlich auch noch die klassische Variante mit dem Schiff.

