Manchester
Ich bin sehr anglophil. Aber dafür, dass das so ist, war ich bisher in erstaunlich wenig großen englischen Städten. Das möchte ich (schon lange) ändern. Ein Stückchen „voran“ komme ich im Februar 2026. Da schaffe ich es endlich (!) nach Manchester.
Während meiner Reiseplanung werde ich derartig vorfreudig, dass ich im Grunde nur enttäuscht werden kann. Denn ist es nicht meistens so, dass wenn die Erwartungen zu hoch sind, diese meist nicht erfüllt werden?
Gerade las ich, dass der Februar in Manchester der Monat mit den wenigsten Regentagen ist. Wie passt denn das zu Nebel&Niesel? Völlige Fehlplanung meinerseits…! 😉
Vorab ein paar Fakten über Manchester
- Manchester ist eine Stadt der Superlative: Sie ist Heimat des ersten Computers (das Manchester Baby, wurde 1948 an der Universität von Manchester entwickelt), der ersten öffentlichen Bibliothek (1653 Chetham‘s), des ersten Personenbahnhofs (Liverpool Road Station, 1830) und der ersten professionellen Fußball-Liga der Welt. Erster! 😉
- Manchester gilt als Geburtsort der industriellen Revolution und war die erste vollständig industrialisierte Stadt der Welt.
- Manchesters Wappentier ist die (fleißige) Biene. Sie steht für die vielen fleißigen Arbeiter, die im Zeitalter der Industrialisierung in den Fabriken der Stadt gearbeitet haben.
- In Manchester begann die Frauenrechtsbewegung um Emmeline Pankhurst.
- Die Stadt hat gleich zwei erstklassige Fußballvereine: ManU & City!
- Star-Architekt Norman Foster stammt aus Manchester!
- Ein Auftritt der Sex Pistols im Juni 1976 in der Lesser Free Trade Hall in Manchester gilt als Startschuss des Punk in Großbritannien.
- Im Northern Quarter nahmen The Smiths und Oasis ihre Anfänge, ebenso New Order. Deren Blue Monday gilt übrigens bis heute als weltweit meistverkaufte Maxi-Single!
- 2017 war Manchester UNESCO City of Literature.
- Die älteste kontinuierlich laufende Seifenoper der Welt („Coronation Street“) wird seit 1960 (!) in Manchester produziert.
Ich erreiche Manchester mit dem Zug von Liverpool kommend an der Victoria Station. Ein schöner alter Bahnhof empfängt mich, mit vielen schönen Details wie Mosaike an der Wand oder alte Holzvertäfelung an den Ticketschaltern. Sowas gefällt mir!

Als ich aus dem Bahnhof rauskomme, stehe ich schon mitten in der City. Eine spannende Mischung aus Modern (Fußball-Museum und Shoppingcenter) und Alt (Kathedrale und alte Fachwerkhäuser) empfängt mich – dazu tatsächlich vereinzelt einige Sonnenstrahlen.
Das National Football Museum sticht schon aufgrund seiner Größe und der auffälligen Glasfassade ins Auge. Passend, dass das Museum gerade in Manchester ist, denn selbst denjenigen, die sich nicht explizit für Fußball interessieren sind sicher die Namen der beiden berühmten und erfolgreichen Fußball-Vereine der Stadt geläufig: Manchester United (kurz ManU) und Manchester City. Aber im Museum geht es keineswegs nur um die ortsansässigen Vereine!
Gleich um die Ecke liegt der kleine Shambles Square. Hier befindet sich der historische Sadler’s Yard, mit windschiefen, alten Fachwerkhäusern. Die beherbergen Sinclairs Oyster Bar und das Pub The Old Wellington. Es stammt aus dem Jahr 1552 und gilt als das älteste Pub der Stadt. Der gesamte Innenhof ist bestuhlt.
Gleich dahinter geht es zum Wahrzeichen Manchesters, der Kathedrale.



Manchester Cathedral
Die Kathedrale von Manchester (der offizielle Name ist etwas sperrig: Cathedral and Collegiate Church of St Mary, St Denys and St George) ist „ein beeindruckendes Beispiel spätgotischer Architektur aus dem 15. Jahrhundert“, so lese ich im Netz. Für mich ist sie von außen erstmal eine „typisch englische Kirche“, so wie ich die mir vorstelle (durchaus nicht negativ besetzt), aber nicht so außergewöhnlich. Der vermeintliche Superlativ „die Kathedrale mit dem breitesten Kirchenschiff in England“ haut mich jetzt erstmal auch nicht vom Hocker.

Vermutlich gibt es übrigens an dieser Stelle bereits seit dem 7. Jahrhundert (!) eine Kirche. Der heutige Bau stammt hingegen überwiegend aus dem 15. Jahrhundert. 1847 wurde die ehemalige Stiftskirche zur Kathedrale erhoben.
Sie überrascht mich allerdings im Inneren. Das Chorgestühl aus dem frühen 16. Jahrhundert gehört zu den feinsten in England und schafft es, mich zu beeindrucken (nicht, dass ich so furchtbar schwer zu beeindrucken wäre, aber Kirchen sind eigentlich sonst nicht so mein Fall. Ja, ja, ich weiß…). Wie auch immer: Tolles Innere, also rein! 😉



Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kathedrale beim „Manchester Blitz“ 1940 schwer beschädigt. Eine Landmine zerstörte damals Kapellen und alle Fenster, wodurch wertvolle Glasmalereien des 19. Jahrhunderts verloren gingen und die Kathedrale zur zweitschlimmsten beschädigten in England machte. Die Restaurierung dauerte bis 1960.
Market Street & Corporation Street
Die Market Street ist eine der Haupteinkaufsstraßen im Herzen von Manchester. Sie ist ein wichtiger Knotenpunkt für Fußgänger, die vom Bahnhof Victoria in Richtung Zentrum laufen und verbindet das riesige Manchester Arndale Einkaufszentrum mit dem Bereich um die Piccadilly Gardens. Seit 1981 ist sie autofrei.
Die Market Street ist der erste Anlaufpunkt für Shopping-Begeisterte und ein unverzichtbarer (oder sollte ich sagen „unumgänglicher“?) Teil jedes Stadtrundgangs in Manchester. Sämtliche großen englischen Kaufhausketten wie House of Fraser, Selfridges, Harvey Nichols, Next…) sind hier vertreten.
Gleiches gilt für die Corporation Street. Die wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert gebaut, beim schweren IRA-Bombenanschlag 1996 allerdings stark zerstört. Das veränderte das Stadtbild komplett und machte Platz für moderne Gebäude. Ihr heutiges Erscheinungsbild ist eine interessante Mischung aus historischer Architektur und moderner Neugestaltung.
In der nahegelegenen Manchester Arena gab es im Jahr 2017 einen weiteren Terroranschlag, dessen Bilder um die Welt gingen, als sich ein islamistischer Selbstmordattentäter nach einem Popkonzert der US-amerikanischen Sängerin Ariana Grande in die Luft sprengte. Bis heute liegen im Bahnhof Victoria Station (s.o.) Blumen für die Opfer. Irgendwie komisch – dadurch, dass ich dort die Fotos der getöteten Kinder sah, fühlt sich das Ereignis für mich plötzlich viel näher an, als zu dem Zeitpunkt, als ich in der Zeitung darüber las… Gruselig!

Shopping Arcaden
Manchester hat ein paar alte Shopping-Arkaden, wie ich sie gern mag.
Die bekannteste und schönste klassische Arkade in Manchester ist die Barton Arcade, eine von außen eher unauffällige viktorianische Schönheit aus Eisen und Glas, ein architektonisches Juwel aus dem Jahr 1871. Das Glaskuppeldach ist der Hammer! Trotzdem habe ich leider die „charmante Atmosphäre“, die hier angeblich herrschen soll, nicht gespürt – zu viele Maler-Planen und Leerstand! Was für ein Jammer!
Viel gepriesen sind auch Corn Exchange, Royal Exchange Arcade und – ein wenig abgeschlagen – die St. Ann’s Passage.



Das eindrucksvolle edwardianische Gebäude von The Corn Exchange beherbergt eine ganze Reihe an Restaurantketten wie Vapiano und Pizza Express. Hier kann man auf kulinarische Weltreise gehen. Ich muss gestehen, dass ich diese Filialisten in einem solchen Gebäude ein wenig stillos finde…
Ein Tipp an dieser Stelle für all jene, die auch ein Faible für viktorianische Shopping-Arcaden haben: Cardiff ist da ganz vorne! Und London natürlich.)
Saint Ann’s Church & St. Ann’s Square
Die anglikanische St. Ann’s Church liegt am St. Ann’s Square, einem hübschen kleinen Platz im Herzen der Stadt. Die Kirche wurde 1712 geweiht. Hier geht es ein wenig ruhiger zu, als in den großen Einkaufsstraßen, so kommt es mir zumindest vor. Ich kann leider gar nichts weiter zu Kirche und Platz sagen, außer, dass ich es sehr angenehm finde, hier ein bisschen zu sitzen, auszuruhen und Leute-zu-gucken.


John Rylands Library
Jetzt allerdings kommt ein (touristischer) Hochkaräter: Die John Rylands Library.
Die neugotische Bibliothek aus dem Jahr 1899 gilt als Inspirationsquelle für Dumbledore’s Büro in Hogwarts aus J. K. Rowlings Harry Potter. Gedreht wurde Harry Potter zwar nicht in Manchester, ABER: die Muggel-Zeitung Manchester Evening News kommt in den Filmen vor! 😉
Ihre Architektur erinnert tatsächlich eher an eine Kathedrale als an eine Bibliothek. Sie ist weltberühmt für ihre wertvollen Sammlungen seltener Bücher (inkl. einer Gutenberg-Bibel) und gehört zur Universität Manchester.
Gegründet wurde die Bibliothek übrigens nicht vom namengebenden John Rylands, sondern von seiner Witwe Enriqueta Rylands zu seinem Andenken!
Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr. Sonntag und Montag ist geschlossen.
Manchester Universität
Die Uni von Manchester befindet sich ein bisschen außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums in südlicher Richtung an der Oxford Street. Zu Fuß laufe ich etwa eine halbe Stunde. Alternativ gibt es gute Bus- (inkl. dem kostenlosen 147er „Oxford Road Link“) und Bahn-Verbindungen (Oxford Road Station).



Die Universität Manchester ist eine weltweit führende Forschungsuniversität (Top 40 im QS-Ranking 2025), mit 26 Nobelpreisträgern unter den ehemaligen Mitarbeitern und Studenten. Außerdem gilt sie als Geburtsort des ersten gespeicherten Computerprogramms (Baby Machine) und der industriellen Revolution.
Touristisch attraktiv ist die historisch bedeutsame Architektur entlang der Oxford Road. Der Campus ist aber um ein Vielfaches größer. Über 200 Gebäude, darunter die Whitworth Art Gallery und das Manchester Museum, befinden sich auf dem Gelände – eine spannende Mischung aus denkmalgeschützten Gebäuden, moderner Infrastruktur und Grünflächen. Es gibt auch viele Cafés und Restaurants, die um diese Zeit aber natürlich überwiegend geschlossen haben.
Das Manchester Museum zeigt Sammlungen zu Archäologie, Anthropologie und Naturgeschichte, darunter Mumien und Dinosaurier aus aller Welt. Der Eintritt ist gratis. In einem Fenster zur Oxford Street ist eine Riesenkrabbe zu sehen, die es mir angetan hat. Ich wußte vorher nicht, dass es Krabben in dieser Größe gibt. Da hat sich der Besuch ja bereits gelohnt! 😉
Ich habe ein bisschen im Netzt über die Uni gelesen und viele positive Kommentare von Studierenden gefunden. Das hat mir gefallen. Leider kann ich das studentische Treiben nicht „begucken“, denn ich bin am Sonntagmorgen hier, also dann, wenn alle frei haben. Trotzdem sehe ich viele junge Jogger, die bestimmt alle hier studieren.



Pankhurst Center
Vom Haupteingang der Uni sind es nur 10 Minuten zum Pankhurst Center in der Nelson Street 62.
Emmeline Pankhurst (1858–1928) war eine der bedeutendsten britischen Suffragetten und eine Schlüsselfigur im Kampf für das Frauenwahlrecht im Vereinigten Königreich.
Sie wurde 1858 in Manchester geboren. In ihrem ehemaligen Wohnhaus, wo sie 1903 die Women’s Social and Political Union (WSPU) gründete, ist heute das Pankhurst Centre untergebracht. Es beherbergt ein Museum über die Geschichte der Suffragetten.
Manchester gilt maßgeblich wegen Pankhurst’s Engagement als die Geburtsstätte der militanten Frauenwahlrechts-Bewegung.
Kimpton Clocktower Hotel
Auf meinem Weg zurück ins Zentrum komme ich am Kimpton Clocktower Hotel vorbei, das zentral neben dem Bahnhof Oxford Road gelegen ist.
Gern hätte ich das Hotel in dem Abschnitt über von mir „getesteten“ Hotels aufgeführt. Aber leider ist das nicht meine Preisklasse. Das Hotel ist ein luxuriöses Boutique-Hotel in einem denkmalgeschützten viktorianischen Gebäude aus dem Jahr 1895 mit einem markanten Uhrturm. Der ist von vielen Stellen in Manchester aus sichtbar und ein guter Orientierungspunkt.
Das Gebäude gehörte ursprünglich der Refuge Assurance, einem bekannten britischen Versicherungsunternehmen, das hier ihren Hauptsitz hatte. Das Unternehmen ist inzwischen lange verkauft und das Gebäude mit Terrakotta-Fassaden in viktorianischer Gotik zum Hotel umgebaut.

Pubs
Es wird Zeit für eine Pause. Am besten in einem Pub.
Für jemanden, der noch nie in England war (soll es ja geben), mag es vielleicht hilfreich sein, ein paar Tipps zu bekommen, wie englische Pubs „funktionieren“.
Pub (Abkürzung für Public House) gibt es in England in großer Zahl und in jedem noch so kleinen Ort. Manchmal besteht ein Dorf gefühlt nur aus einer Kirche und einem Pub. In Städten wie Manchester kann es auch mehrere in einer Straße geben.
Die Namen der Pubs haben oft ähnliche Namen. Der vermutlich häufigste ist The Red Lion, wahlweise The Golden Lion. Aber auch Lamb, Hare oder Horse sind beliebt, ebenso The White Hart. Oder der Bezug zum britischen Königshaus durch Namen wie The Crown, Kings/Queens Head/Arms, The Royal Oak oder The Crown. Originalität ist hierbei nicht sehr gefragt.
Pubs sind meist sehr gemütlich eingerichtet, manchmal mit dunkler Holzvertäfelung, Bildern einer englischen Fuchsjagd an der Wand, brennendem Kamin oder dicken Teppichen, oft brechend voll. Hier trifft man sich spätestens am frühen Abend auf ein oder mehr (Feierabend-)Bier. Seit das Rauchen 2007 in Pubs verboten wurde, bilden sich oft große Menschentrauben davor. Die Getränke nimmt man mit nach draußen.
Bestellt werden diese üblicherweise an der Bar und gleich bezahlt. Trinkgeld ist unüblich. Es wird empfohlen, die Biersorte (z.B. Ale, Stout, Lager) genau zu benennen, denn es gibt nie nur eine Sorte. Um Nachfragen zu vermeiden, also am besten gleich die gewünschte Sorte und Größe (Pint oder Half Pint) nennen. In Gruppen wird reihum geordert und gezahlt.



Viele Pubs bieten auch Essen an, manchmal aber nur bis zum frühen Abend. Manchmal gibt es im Obergeschoß einen separaten Raum mit Service, ansonsten gilt Selbstbedienung. Typische Gerichte sind Fish&Chips, Steak&Ale Pie, Burger und Mac ’n‘ Cheese. Üblicherweise stehen auf jedem Tisch Ketchup, Mayo, Essig und Worchester Sauce.
Die Sperrstunde um 23 Uhr ist zwar abgeschafft, aber trotzdem achten Pubs meist peinlich genau auf die Einhaltung ihrer Öffnungszeiten und es gibt oft noch die Glocke, die zur „last Order“ ruft. Dann hat man noch 20 Minuten für die letzte Bestellung. Das kommt mir sehr entgegen. Ich konnte nicht mal, als ich jung war, viel damit anfangen, die Nacht zum Tag zu machen. Vielleicht war ich in meinem früheren Leben Engländerin?!?
In vielen Pubs wird Billiard oder Darts gespielt. Sehr beliebt sind auch das (meist dienstags stattfindende) Pub Quiz. Und Fußball im Fernsehen läuft eigentlich immer. 😉
Übrigens: Da in jedem Pub Alkohol ausgeschenkt wird, dürfen Gäste unter 18 Jahren nicht mit rein, es sei denn, es gibt einen abgetrennten Essbereich.

Gestärkt? Dann weiter!
Albert Square & St. Peters Square
Die beiden zentralen Plätze in Manchester liegen nur einen Steinwurf von einander entfernt: Albert Square & St. Peters Square.
Der St. Peter’s Square wurde zwischen 2012 und 2017 modernisierter. Er wird dominiert von der Central Library, die sich in einem auffälligen, kreisrunden Gebäude befindet. Gleich daneben befindet sich die Town Hall Extension, ein denkmalgeschütztes Erweiterungsgebäude des Rathauses, das nach 1934 fertiggestellt wurde. Es ist das Verbindungsglied zwischen der Zentralbibliothek und dem historischen Rathaus, das am Albert Square seinen Haupteingang hat.
2019 wurde auf dem St. Peter’s Square eine Statue von Emmeline Pankhurst eingeweiht, die den Titel „Rise Up Woman“ trägt und an ihr Wirken für das Frauenwahlrecht erinnert (s. weiter oben Pankurst Center).

Der Albert Square ist das Herzstück von Manchester, also der zentrale Platz. Hier steht das neugotische Rathaus (Town Hall von 1877) und davor das Albert Memorial, das zu Ehren von – Überraschung – Prinz Albert, dem Ehemann von Queen Victoria, errichtet wurde.
Angelegt wurde der Platz zwischen 1863 und 1867. Entsprechend eindrucksvoll sind die umliegenden Gebäude, die heute überwiegend unter Denkmalschutz stehen. Aber so reparaturanfällig sind sie auch. Anfang 2026 jedenfalls ist für mich nicht viel zu sehen, da das Rathaus und der Platz restauriert werden und großflächig abgesperrt sind. Das ist natürlich höchst ärgerlich…
„Der Albert Square ist ein Muss für Besucher, die die viktorianische Architektur und das städtische Leben von Manchester erleben möchten“, hab ich gelesen. Haha!


Vorerst hab ich genug von „klassischen Sehenswürdigkeiten“. Ich brauche was Alternatives. 😉
Northern Quarter
Das gibt es reichlich in Manchester, allem voran im Northern Quarter.
Im Grunde war ich schon verknallt ins Northern Quarter, bevor ich überhaupt in Manchester angekommen bin. Während der Reiseplanung habe ich so viele tolle Bilder gesehen, dass ich vor lauter Vorfreude schon ganz zappelig bin!



Bohème-Charme in individuellen Boutiquen und Secondhand Shops, trendige Pop-up-Läden, Backsteinhäuser und viktorianische Gebäude neben einer alten Markthalle, Street-Art-Graffiti, angesagte Bars und gemütliche Cafés – das Alles und noch viel mehr gibt es in diesem ehemaligen Textilindustrie-Viertel.



Das Northern Quarter ist der Bereich zwischen Oldham Street und Stevenson Square. Copperas Street, High Street, Oak Street, Edge Street, Thomas St (mit einigen Tischen auf der Straße!), Tib St, Tariff St – alle diese Straßen und noch einige weitere lohnen einen ausführlichen Besuch. Es gibt wirklich massenhaft interessante, inhabergeführte Läden, aber ein Wechsel ist häufig, so dass es schwer fällt, einzelne herauszupicken und fraglich, ob die dann in ein paar Monaten auch noch da sind.



Allerdings gibt es auch ein paar „Klassiker“, wie z.B. das Kaufhaus Afflecks. Klassisch ist hier allerdings kaum etwas, denn das Afflecks ist nicht einfach ein Kaufhaus, nein, es ist der Wahnsinn! Auf vier Etagen sammelt sich hier alles, was man unter der Rubrik „crazy“ zusammenfassen könnte: alternativer Mode (Gothic! Und Manga!), Vintage-Schätze, Geschenke und Kunsthandwerk. Eine Institution!
Ähnlich großartig ist auch Fred Aldous Ltd, ein Papierwaren- und Bastelgeschäft, am (netten) Stevenson Square. Ich habe (an der ein oder anderen Stelle erwähnte ich es bereits) eine große Schwäche für schönen Papierkram. Fred Aldous ist diesbezüglich (m)ein El Dorado. Hier gibt es auf drei Etagen alles und noch mehr zum Thema Papier, Basteln und Zeichnen. Stunning! Toll ist auch das alte Backsteingebäude (Cooper-Gebäude), in dem sich der Laden befindet. Unbedingt auf die netten Details in der Fassade achten!



Das dritte Highlight ist das Manchester Craft and Design Centre, ein „inspirierender Ort für lokale Kunst“ in einem eindrucksvollen viktorianischen Gebäude. Hier präsentieren unabhängige Künstler und Designer in ihren Ateliers auf zwei Etagen ihre Werke – ideal zum Stöbern nach besonderen Mitbringseln für sich und/oder andere. Im Erdgeschoß gibt es auch zwei kleine Cafés. Nette, entspannte Atmosphäre.



Und noch ein viertes Highlight (ja, eine große Dichte an Begeisterndem!): Der Mackie Mayor Food Court. In einer denkmalgeschützten (ehemaligen Fleisch-) Markthalle von 1858 tummelt sich am Samstag die halbe Stadt zum Mittagessen. Hipster mit Kind und Kegel so weit das Auge reicht. Die Atmosphäre ist locker, lässig, fröhlich, das Stimmengewirr enorm. Aber alle haben die Ruhe weg – außer den Kellnern, die haben alle Hände voll zu tun! Fröhlich sind sie trotzdem!
Mit Vergnügen schreibt dazu: „Bei Honest Crust könnt ihr Pizza essen, bei Fin Fish frischen Fisch und die Rotisserie bietet vor allem Fleischgerichte an. Dazu gibt es an verschiedenen Ständen Kaffee, Wein und Bier. Die Markthalle ist so beliebt, dass ihr vor allem abends mit großen Gruppen reservieren solltet. Regelmäßig finden hier auch Events wie „Yoga + Brunch“, die „British Flower Werke“ oder die „Summer Wind Fair“ statt, checkt den Zeitplan!“

Bei nächsten Tipp bin ich nicht ganz sicher, ob der auch im nächsten Jahr noch aktuell ist. Ich erwähne den Laden trotzdem, weil ich ihn so originell finde: The Washhouse, ein Mini-Waschsalon mit einer in einer Maschine versteckten Tür zu einer geheimen Cocktail-Bar!


Ansonsten lohnt es sich, ich sage es nochmal, unbedingt, einfach durch die Straßen zu bummeln. An vielen Stellen schießt mir die Frage in den Kopf, ob das wirklich Manchester oder nicht doch New York ist.






GAY Viertel
Das Gay Village schließt sich in südöstlicher an das Northern Quarter an. Es befindet sich rund um die Canal Street, nahe dem Piccadilly-Bahnhof und dem Rochdale-Kanal. Beide Viertel sind nur wenige Minuten zu Fuß voneinander entfernt.
Das Gay Village ist das Zentrum der LGBTQ+-Szene mit einer hohen Dichte an Bars, Clubs und stylischen Hotels.
Spätestens seit der Serie „Queer as Folk“ ist Manchesters Gay Viertel weltbekannt und zieht auch viele Touristen an.



Hier gibt es besonders viel Street Art, allen voran bei The Molly House.
Der Kanal, der direkt an der berühmten Canal Street im Zentrum von Manchester (Gay Village) verläuft, heißt Rochdale Canal. Er wurde 1804 eröffnet und war eine wichtige Handelsroute, die heute hauptsächlich für Freizeitboote genutzt wird.



Bridgewater Canal Tow Path
Der Bridgewater Canal Towpath ist ein historischer, ca. 65 Kilometer langer Weg, der Manchester mit Runcorn verbindet. Der malerische, oft von Natur umgebene Weg wurde ursprünglich zum Transport von Kohle gebaut. Er verfügt noch über historische Drehbrücken und führt mitten durch das Stadtgebiet von Manchester. „Charakteristisch sind die ursprünglichen Buckelbrücken (humpback bridges) und „Turnover Bridges“, die den Treidelpfad (Towpath) sicher von einer Seite auf die andere führten.“



Eine besonders schöne Stelle befindet sich dicht am Bahnhof Deansgate: Am Castlefield Basin zwischen Rochdale Canal Tow Path und Bridgewater Canal Tow Path. Enge Wege am Wasser entlang, wo Enten, Wildgänse und Reiher unterwegs sind, alte Eisenbahnbrücken und Narrowboats (mit The coffee & cake boat!), wie ich sie sonst eher aus London kenne, dazu urige Pubs mit Außengastronomie (z.B. The Wharf), wo auch jetzt im Februar einiges los ist, und im Hintergrund die Hochhäuser der Innenstadt Von Manchester. Coole Mischung!



Und dann kommt zum Abend hin die Sonne raus. Perfekt!



Castlefield Viaduct
Eine der Eisenbahn-Brücken, das Castlefield Viaduct, das über den Casterfield-Kanal führt, ist seit 1969 stillgelegt. Die viktorianische Stahlbrücke stammt aus dem Jahr 1892, ist 330 Meter lang und steht unter Denkmalschutz.
Ähnlich der New Yorker Highline, gibt es hier seit 2022 ein Pilotprojekt zur Stadtbegrünung vom National Trust: den (kostenlosen!) „Himmelsgarten“ (Sky Park). Auf der ehemaligen Güterzug-Trasse ist ein öffentlicher Park entstanden, begrünte Bereiche mit Info-Tafeln zur Industriegeschichte der Stadt.
Fernsehserien wie „Coronation Street“ und „Peaky Blinders“ nutzten die Brücke bereits als Kulisse.



Chinatown
Manchesters Chinatown ist eine der größten in Europa und nach London und Liverpool die drittgrößte im Vereinigten Königreich. Sie befindet sich rund um die Nicholas Street. (Touristisches) Highlight ist das ikonische, farbenfrohe Paifang-Tor auf der Faulkner Street. Es war ein Geschenk aus Peking und ist ein beliebtes Fotomotiv (auch bei mir).
Die Chinatown ist keinesfalls ein „Museum“, sondern ein ein quirliges, lebendiges Viertel, das trotz seiner Bedeutung als Touristenattraktion seinen unverfälschten Charakter bewahrt hat. So gibt es beispielsweise eine ganze Reihe authentischer Restaurants, deren ausgestellte Speisekarten tatsächlich ausschließlich auf Chinesisch sind. Angeboten wird eine große Auswahl an kantonesischen Dim Sum und Szechuan-Spezialitäten, aber auch andere asiatische Küchen (japanisch, thailändisch, vietnamesisch) ist vertreten.
Jetzt zu Ende Februar hängen noch überall die roten Lampions von den Feiern des chinesischen Neujahrsfestes. Die berühmte Drachenparade habe ich leider knapp verpasst – sie fand 2026 am 15. Februar statt…

Szeneviertel Spinningsfield
Das neue Szeneviertel von Manchester heißt Spinningsfield, habe ich gelesen. Rund um den Hardman Square und Crown Square finden sich angesagte Restaurants und Bars. Ich muss gestehen, dass sich mir der Charme nicht ganz erschlossen hat…
Immerhin habe ich recht interessante moderne Architektur entdeckt, wie das Gebäude vom Family Court und das People’s History Museum.
Salford Quays
Moderne Architektur gibt es auch im Stadtteil Salford auf dem ehemaligen Hafengebiet der Manchester Docks.
Nachdem in den 70er-Jahren der Containertransport immer größer wurde, konnten immer weniger Schiffe die engen Kanäle anfahren, so dass die Docks schließlich 1982 geschlossen wurden. 3.000 Menschen verloren ihre Jobs. Anfang der 1980er Jahre wurde das östliche Ende des Manchester Ship Canals umgestaltet, in Salford Quays umbenannt, in den Folgejahren zu einem modernen Viertel mit Shoppingcenter (The Quays EKZ), Museen, einem Theater (The Lowry!), Kinos, Büros und Wohn- (Hoch-) Häusern umgebaut, und ist seitdem ein Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische.




Über die Salford Quays Millennium Lift Bridge, eine Fußgängerbrücke aus dem Jahr 2000 (ach?), gelange ich auf die andere Seite des Manchester Ship Canal zum Imperial War Museum North. Das Gebäude ist architektonisch sehr interessant. Der Entwurf stammt von Daniel Libeskind. (Das jüdische Museum in Berlin oder der Kö-Bogen I in Düsseldorf stammen ebenfalls von ihm.) Es wurde geplant als „Ineinanderschichtung von Dächern mit der Assoziation eines zerbrochenen Globus und der Elemente Luft, Wasser, Erde, die zugleich Waffengattungen entsprechen.“


Der Eintritt ist gratis, geöffnet ist von 10 bis 17 Uhr.
Von hier sind es nur ein paar Minuten zum Old Trafford Stadion.
Old Trafford
In meiner Jugend war ich sehr fußballbegeistert. Heute bin ich nur noch latent interessiert, aber Manchester verbinde ich selbstredend mit Fußball. Es ist quasi unumgänglich, dass, wenn ich schon mal in Manchester bin, ich zum Old Trafford Stadion muss.
Das Stadion wurde 1910 eröffnet, steht im gleichnamigen Stadtteil Manchesters und ist eins der berühmtesten Fußballstadien der Welt. Mit 75.653 Sitzplätzen ist es nach dem Londoner Wembley Stadion das zweitgrößte in England. Vor allem aber ist es die Heimspielstätte des Premier-League-Klubs Manchester United (kurz ManU).
Bekannte Tribünen sind die Sir Alex Ferguson Stand (die größte Tribüne) und das wegen seiner lautstarken Fangesänge berüchtigte Stretford End (West Stand). Von der Fußballlegende Bobby Charlton bekam die Spielstätte den Spitznamen Theatre of Dreams („Theater der Träume“). Für viele ist es der Grund nach Manchester zu fahren.
Old Trafford war Austragungsort von Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 und der Europameisterschaft 1996, des UEFA Champions League Finales 2002/03 sowie Spielen des olympischen Fußballturniers 2012. Es läßt sich also mit Fug und Recht behaupten, dass Old Trafford ein echtes Stück Fußballgeschichte ist.

Allerdings ist das Stadion inzwischen etwas in die Jahre gekommen, die Infrastruktur wird den Ansprüchen moderner Großveranstaltungen nicht mehr gerecht. Daher plant der Verein aktuell den Bau eines neuen Stadions. Mit dem Entwurf beauftragt wurde der in Manchester geborene Stararchitekt Norman Foster (+Partners). Die bisher vorgelegten Entwürfe sehen spektakulär aus (s. Architekturblatt)!
An spielfreien Tagen können Besucher bei geführten Touren den „Geist des Stadions atmen“, den Spielertunnel und die Kabinen besichtigen und im angeschlossenen Museum mehr über die glorreiche Geschichte von Manchester United erfahren. Es gibt auch einen Shop mit reicher Auswahl an Fanartikeln.
Ich komme hier am Samstag, etwa drei Stunden vor Beginn des Premier-League-Spiels ManU gegen Crystal Palace, an. Da wimmelt es bereits von Fans (das sieht auf dem Foto noch recht übersichtlich aus, aber ich versichere: es wimmelt!). Das hat für mich leider den Nachteil, dass ich nicht wirklich nah ans Stadion herankomme, denn die Kontrollen haben bereits begonnen, und ich habe meinen Rucksack bei mir. Rucksäcke sind hier nicht erlaubt. Also gucke ich noch ein wenig aus der Entfernung und fahre dann mit der leeren Tram zurück in die City.
Das Spiel gucke ich im The Black Lion Pub, wo ich auch übernachte. ManU gewinnt mit 2:1.
Übrigens: Bei Wikipedia gibt es einen eigenen Eintrag zu Rivalität zwischen Manchester United und dem FC Liverpool. Aus meiner laienhaften Sicht muss ich feststellen, dass mich die Anfield Road weit mehr beeindruckt als Old Trafford…
Der andere große Rivale von ManU ist in der eigenen Stadt zu finden: Manchester City. Ende Februar 2026 steht City auf Platz 2 in der Tabelle, ManU auf Platz 3.
Unterkünfte
Ich „teste“ zwei Unterkünfte in Manchester. Allerdings ist dieser Umstand eher aus der Not heraus geboren als aus Entdeckergeist. Zwei Übernachtungen habe ich geplant, die Nacht von Freitag auf Samstag und von Samstag zu Sonntag. Letztere ist kein Problem, die Preise und Verfügbarkeiten so, wie ich es für Februar erwarte. Aber am Freitag lagen die Preise schon viele Wochen vor meiner Anreise in exorbitanter Höhe. Erst später finde ich heraus, dass Robbie Williams zum Konzert in der Stadt ist, Liverpool und ManU Heimspiele haben und eine Manga-Messe (o.ä.) in der Stadt ist. Ich vermute, dass all das die Preise in die Höhe hat schießen lassen, bzw. dazu geführt hat, dass Hotels in meinem Preissegment keine Kapazitäten haben.
So kommt es, dass ich zwei Nächte in zwei verschiedenen Pubs absteige.
Black Lion Hotel
Das in meinen Augen attraktive, alte Gebäude des Black Lion stammt aus dem Jahr 1876. Es liegt im Stadtteil Salford, nur knapp zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt, auf der anderen Seite des River Irwell.
Die Zimmer im ersten und zweiten Obergeschoss sind frisch renoviert.
Ich bin ganz glücklich mit meinem Deluxe Doppelzimmer (obwohl ich Deluxe ein wenig geschmeichelt finde) im 1. Stock. Es gibt viel Platz, ein angenehmes Bad (mit einem Bewegungsmelder im Bad fürs Licht, der mich an den Rand der Verzweiflung trieb, weil ich den Schalter nicht fand), einer kleinen Sitzecke und dem obligatorischen Wasserkocher. Frühstück (gut!) ist inklusive. Das Ganze für 77 Euro.


The Crown & Anchor
Die „schwierige“ Nacht von Freitag auf Samstag verbringe ich im The Crown & Anchor mitten im Northern Quarter. Für die Lage gibt es also schon mal die volle Punktzahl.
Viel mehr kommen dann allerdings auch nicht dazu. Ich habe ein Einzelzimmer im ersten Stock mit Gemeinschaftsbad, TV und Fenster, aber ohne Stuhl, Ablagefläche, Steckdose in Bettnähe (ich verstehe, warum das z.B. bei Booking.com eine extra Erwähnung findet, wenn es das gibt) oder Frühstück (kann man dazu buchen). Immerhin: Das Zimmer ist sauber und das Bett bequem. Kurz: Für den „Notfall“ taugt’s.
Das Pub im Erdgeschoß ist wirklich nett. Ich esse dort zu Abend (Steak & Ale Pie – sehr lecker!) und gucke ein bisschen Fußball & Leute.

Fazit
Um es kurz zu machen: Manchester hat meine Erwartungen tatsächlich noch übertroffen. Ich würde sogar sagen, das Manchester eine der am meisten unterschätzten Städte der Welt ist!
Wer urige Pubs, kunstvolle Street Art, englischen Fußball und viktorianische Architektur schätzt, wird Manchester lieben.
