Nordjütland

Mit neun Monaten war ich das erste Mal in Dänemarks Norden. Es folgten (nahezu) unzählige weitere Aufenthalte, meist während der Sommerferien mit meinen Eltern. Als junge Erwachsene fuhr ich eher in der Nebensaison „hoch“, als mittel-junge Erwachsene habe ich einige Jahre pausiert, aber seit ein paar Jahren fahre ich wieder regelmäßig nach Nordjütland, meist nach Blokhus. Zu jedem Urlaub dort „oben“ gehört ein Ausflug nach Aalborg. Immer wieder auch nach Skagen, Løkken oder zum versandeten Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr. Ihr kennt es, oder? Die Fan-Gemeinde ist jedenfalls riesig. Falls Ihr noch nicht dazu gehört, probiert es aus!

Jütland wird oft synonym für Festland-Dänemark verwendet, es ist der westliche Teil Dänemarks, der im Süden eine 67 Kilometer lange Land-Grenze zu Deutschland hat. (16 offizielle Grenzübergänge gibt es hier, aber nur einen auf der Autobahn: der Übergang zwischen Ellund und Padborg auf der A7/Europastraße 45.) Umgeben ist Jütland im Westen von der Nordsee und im Osten von der Ostsee.

Nordjütland ist (ach?) der nördliche Zipfel Jütlands, oberhalb des Limfjords. Ganz im Norden, in Grenen bei Skagen, treffen sich Nord- und Ostsee. Spätestens hier wird der Beweis erbracht, dass Meer nicht gleich Meer ist – die unterschiedliche Wasserfarbe ist klar erkennbar!

Die herrlich breiten Sandstrände beider Meere taugen bestens für Familienurlaube mit kleinen und großen Kindern, mit Hund, für Frisch-Verliebte oder auch alleine. Nur für Leute, die ausschließlich bei 40 Grad im Schatten glücklich werden, ist das hier nichts!

Blokhus

Blokhus ist der Urlaubsort meiner Kindheit. Ein typischer Ferienort mit einer Vielzahl an Ferienhäusern, die sich dicht an dicht an die Dünen schmiegen. Alle individuell, immer mit kleinem (oder größerem) Grundstück, dass man trotz allem ein Stück Privatsphäre wahren kann.

In den 70er und 80er Jahren war der kleine Ort sehr beliebt bei deutschen Touristen. Locker die Hälfte aller Autos, die sich im Sommer morgens in Richtung Strand aufmachten und nachmittags wieder zurück, war in Deutschland zugelassen. Vereinzelt gab es ein paar Norweger und Schweden, der Rest waren Dänen, oft aus dem nahen Ålborg, die im eigenen Land Urlaub machten. Heute sind die Dänen in der Überzahl. Und das ist auch gut so!

Damals war der Ortskern verschandelt durch einen Beton-Klotz, der ursprünglich ein Hotel war, dann eine zeitlang als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde und schließlich über Jahre leer stand und vor sich hin gammelte. Dann wurde der komplette Ortskern neu gestaltet, selbst die Straßenführung wurde verändert. Seitdem ist der Mittelpunkt des Ortes ein großer Platz mit Freilichtbühne, um den herum ein Supermarkt, kleine Geschäfte und Restaurants angesiedelt sind. Regelmäßig finden Märkte oder andere Veranstaltungen statt.

Alte Gebäude gibt es leider nur noch wenige, die meisten noch am Strandvejen.

Das mit Abstand Beste an Blokhus ist der sagenhaft breite, feine Sandstrand. Für Deutsche etwas gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass es in Dänemark erlaubt ist, mit dem Auto an den Strand zu fahren. Ich halte es für eine Frage der Gewöhnung. Ist man erstmal damit vertraut, weiß man den praktischen Nutzen mitunter durchaus zu schätzen. Viele dänische Ferienhäuser (Ferienhäuser sind die übliche Art der Unterbringung in einem Dänemark-Urlaub – Hotels gibt es nur wenige) sind für zehn Personen und mehr ausgelegt. Oft verbringen ganze Familien Generationen übergreifend oder mehrere Familien zusammen hier ihren Urlaub und pilgern täglich mit Sack und Pack an den Strand: mit Strandzelt, Windschutz, Schlauchboot, Luftmatratze, Drachen, Eimer und Schaufel, Badesachen, Wechsel-Klamotten, Picknick-Tasche, Beachball, Boule, Fußball und und und. Da ist es doch recht angenehm, wenn man mit dem Auto vorfahren kann!

Ein typisches Bild sind im Sommer die weißen Strandhäuschen. Die gibt es in Miniatur in den Souvenirläden des Ortes zu kaufen! 47 dieser Badehäuschen sind von Mai bis September zugelassen.

Im Ort selbst befindet sich einer der ältesten Seenotrettungsvereine in Nordjütland. Die ehemalige Rettungsstation ist heute ein kleines Museum.

Gastrotipp: Das noble Strandingskroen und das urige Futten gleich nebenan. Die beiden Restaurants teilen sich den großen Innenhof des historischen Gebäude-Ensembles, der seit einigen Jahren bestuhlt und überdacht ist.

Strandspaziergang von Blokhus nach Rødhus

Was in keinem Urlaub fehlen darf, ist der Spaziergang am Strand entlang von Blokhus nach Rødhus (Rødhus ist ein Ferienhausgebiet, das zu Blokhus gehört) zum Rødhus Café & Isbar und zurück. Egal, wie das Wetter ist – bei Sonne, Sturm und/oder Regen (manchmal alles davon während einer Tour) – barfuß am Strand entlang, den Blick abwechselnd auf den Sand gerichtet auf der Suche nach Muscheln, Seesternen oder Loch-Steinen oder in Richtung Meer und Himmel. Es gibt so viel zu sehen! Und wenn der Wind, der selten fehlt, einen so richtig durchgepustet hat, dann hat man sich die Pommes oder das Eis, eigentlich beides, im Café so richtig verdient! 😉

Rødhus Strandbar

Es gibt auch eine ganze Reihe an Wanderwegen, die durchs Landesinnere führen, durch Wald- und Heidelandschaft. Ebenfalls sehr empfehlenswert – besonders, wenn einem der Wind am Wasser zu heftig ist. Im Landesinneren ist es naturgemäß etwas geschützter. Oder hin am Strand und zurück durch den Wald?

Hune

Unmittelbar vor Blokhus, an der Strasse 559, liegt der kleine Ort Hune. Der hatte für mich immer ein bisschen Stiefkind-Charakter, weil er nicht am Meer liegt und auch keinen echten Ortskern hat. Nur die schnurgerade Strasse, die nach Blokhus führt. Und dorthin wollen viele (tatsächlich etwa 1 Millionen Menschen pro Jahr!). Eine Ampel wurde nötig, um den Verkehr zu regeln! Stau ist hier im Sommer fast immer!

Inzwischen hat Hune aufgerüstet. Es gibt zwei große Supermärkte, eine Kerzenfabrik und allerhand weitere Anziehungspunkte für Touristen, wie zB das Museum für Papierkunst und den Skulpturenpark. 2021 stand hier die größte Sandburg der Welt! Sie war 21 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 32 Metern.

Mein Highlight ist der Trödelmarkt, der sonntags entlang der Strasse stattfindet. Je besser das Wetter, desto mehr Anwohner stellen ihren Trödel vor die Tür. Immer was los ist – wetterunabhängig – in der großen Trödelscheune, wo mehrere professionelle Händler ihre alten Schätze anbieten (LEIDER DERZEIT GESCHLOSSEN – Stand 2025). Eine wahre Fundgrube! Hinter dem Haus geht es auf dem Parkplatz weiter!

Unbedingt sehenswert ist die alte Kirche von Hune. Sie wurde in einer Zeit gebaut, in der die Gemeinde sehr wohlhabend war, wie es in der Broschüre, die es auch auf Deutsch gratis im Vorraum der Kirche gibt, heißt. Die Errichtung des Schiffes, Chores und der Apsis fand 1100 statt.

Saltum Kirche

Die Lutherische Saltum Kirche liegt – wie bei den Kirchen in Nordjütlands üblich – recht einsam außerhalb des Ortes an der B55.

Die Kirche wurde um 1150 als ein romanischer Granitquaderbau mit Turm, Schiff, Chor und Apsis auf profiliertem Sockel errichtet. Der Chor war vom Schiff durch einen schmalen Triumphbogen abgetrennt. Um 1450 wurde die Kirche umgebaut Turm, Chor und Apsis wurden abgerissen.Das ursprüngliche Schiff war recht klein. Es hatte an der Nordseite die Frauen Tür und an der Südseite die Männer Tür. Die Frauen Tür ist jetzt zugemauert, die Männer Tür wurde als Eingangstür innerhalb des Waffenhauses beibehalten. 1912 wurden Teile des Inventars restauriert. Eine durchgreifende Restauration der ganzen Kirche fand 1959 statt, wobei auch in Ausgrabungen ihre bauliche Geschichte erforscht wurde.

Quelle: www.saltumalstrupkirker.dk

Wer sich dafür interessiert, kann sich über viele weitere Infos auf der Website freuen!

Løkken

Wie weiter oben bereits erwähnt, fand ein Großteil meiner Kindheit-Sommer in Blokhus statt. Natürlich fuhren wir dann immer auch mal nach Løkken. Ich muss zugeben, dass ich immer ein gewisses Konkurrenz-Denken hatte. Løkken ist etwas größer als Blokhus. Blokhus war der Underdog. Und schon deshalb besser. 😉

Heute sehe ich das – zum Glück – etwas anders. Inzwischen „darf“ es beides geben. Zum Beweis: Den Sommer-Urlaub 2025 verbringe ich erst in Blokhus und dann in Løkken! 😉

Løkken ist also – wie erwähnt – etwas größer (1638 Einwohner zu 477 Einwohner). Es hat einen richtigen Ortskern mit mehreren (Einkaufs-) Straßen und und einem zentralen Platz, sogar Fußgängerzonen. Zum Shoppen beispielsweise würde ich Løkken klar vorziehen.

Ein Bummel durch den Ort lohnt. Es gibt viele kleine Gassen und Strassen mit den okkergelben Häusern mit rotem Dach, die in Dänemark so typisch sind. Und eine große Auswahl an Hotdog-Läden – natürlich ein Muss in Dänemark.

Der Hauptzugang vom Ort zum Strand ist autofrei (es gibt zwei andere Zufahrten für Autos). Der Strand ist hier relativ schmal, aber mit einer Handvoll Fischkutter, die hier auf dem Sand liegen, und einer Mole, auf der Angler ihr Glück versuchen, durchaus interessant. Im Sommer wimmelt es im Wasser von Surfern der ortsansässigen Surfschule (in deren Gebäude gibt es übrigens öffentliche und kostenlose Toiletten!). Die Surfer zu beobachten macht Spaß. Das kann man auch bequem vom Liegestuhl der Bar gegenüber tun. Meine Erkenntnis ist allerdings: Es wird eher gedümpelt als gesurft! 😉

Unter dem Namen Løkken Kunst Sti führt ein sechs Kilometer langer Spazierweg durch den Ort, vorbei an mehr als 40 verschiedenen Kunstwerken – darunter 25 Wandgemälde und Skulpturen. Als Startpunkt bietet sich die Nørregade 10 beim Løkken Museum an. (Übrigens: Der Eintritt ins kleine Løkken Museum ist gratis!) Hier liegt ein gratis Stadtplan mit der eingezeichneten Route aus. Diesen gibt es aber auch online auf der Website.

Rubjerg Knude Fyr

Rubjerg Knude Fyr ist eine Art Wahrzeichen Nordjütlands. Der Leuchtturm (Fyr) steht auf einer riesigen Sanddüne (Knude). Das besondere an ihm – und das haben auch viele Deutsche, die noch nie hier oben waren, im Fernsehen verfolgt – ist, dass er vor ein paar Jahren in einer spektakulären Aktion umgezogen ist.

Der Leuchtturm wurde 1900 gebaut, hinter einer damals knapp drei Meter hohen Düne. Mit den Jahren wuchs die Düne mehr und mehr, so dass man bereits in den 1950er Jahren anfing, Sand abzugraben, allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Schließlich war sie auf 50 Meter (!) angewachsen, so dass der Leuchtturm vom Meer aus nicht mehr zu sehen war. 1968 wurde er außer Betrieb genommen.

Als ich Kind war, machten wir Ausflüge zum „versandeten Leuchtturm“. In einem der Nebengebäude gab es eine gut gehende Caféteria.

Die Düne wanderte weiter und der Leuchtturm und die umliegenden Gebäude versandeten nach und nach (s. Bilder oben), bis sie schließlich zerfielen. Als die Düne quasi durch den Leuchtturm hindurch gewandert war, drohte dieser auf der anderen Seite ins Meer zu kippen, woraufhin man sich 2019 entschloß, ihn um etwa 80 Meter ins Landesinnere zu versetzen. Bei You Tube gibt es ein Video von dem Umzug.

Lønstrup

Lønstrup war immer mein (heimlicher) Lieblingsort in Nordjütland. Der Strand ist hier deutlich schmaler ist als in den Orten weiter südlich und die Weltkriegs-Bunker, die mit den Jahren von den Dünen heruntergefallen sind und jetzt am Strand liegen, sind eher gewöhnungsbedürftig. Aber die hier sehr steile Küste hat einen besonderen Reiz! Leider hat sich das Meer in den letzten Jahren so sehr ins Land gefressen, dass man zum Schutz neue große Buhnen aufgeschüttet hat. Das ist zwar sinnvoll, aber nicht so schön anzusehen…

Dafür ist der kleine Ortskern selbst sehr hübsch. Die ockergelben Häuser sind in der Mehrheit. Eine ganze Reihe an Galerien und Kunsthandwerksläden lädt zum Bummeln ein.

Skagen & Grenen

… coming soon (September 2025)

Das dänische Ferienhaus

Die typische Art in Dänemark Urlaub zu machen ist ein Ferienhaus zu mieten. (Ja, ich weiß, es gibt auch eine Camping-Fraktion.) Entlang den Küsten gibt es massenhaft reine Ferienhaus-Gebiete. Die Qualität der Häuser ist sehr unterschiedlich, aber was fast alle gemeinsam haben ist, dass sie auf recht großen Naturgrundstücken stehen, sei es in der Heide, auf Dünengrund oder im Wald. Viele bieten Meerblick, (mindestens) eine Terrasse, eine Sauna oder – immer mehr – einen (Whirl-) Pool. Oft sind die Dächer mit Gras bewachsen, so dass sie sich unauffällig in die Landschaft einfügen.

Tatsächlich war ich noch nie in einem dänischen Ferienhaus, das nicht gemütlich (hygge?) gewesen wäre. Dennoch sollte man sich als „Neuling“ auf ein paar Besonderheiten einstellen.

Die meisten dänischen Ferienhäuser haben kleine, eher funktionale Schlafzimmer, die tatsächlich nur zum Schlafen taugen. Selten mit Fernseher, manche sogar ohne Kleiderschrank und oft sind die Wände so dünn, dass man ungewollt teilhaben kann/muss an Gesprächen im Nachbarzimmer. Dafür gibt es oft viele Schlafplätze, Häuser für bis zu 12 Personen sind keine Seltenheit!

Eine weitere Besonderheit ist, dass die Duschen meist ebenerdig sind. Was erstmal praktisch erscheint, kann unangenehm werden, wenn nach jedem Duschen das Bad unter Wasser steht. Das habe ich oft erlebt. Nicht tragisch, aber man sollte es vorher schon mal gehört haben, finde ich.

Toll ist hingegen, dass fast alle Häuser sehr familienfreundlich sind. Viele haben Sandkästen, Schaukeln und Hochstühle. Die gängigen Ferienhaus-Vermieter haben sehr aussagekräftige Internet-Auftritte, wo das gesamte Inventar aufgelistet ist, sodass man sich vorab bestens informieren kann.

Häuser ohne Terrasse und/oder Garten lassen sich in ganz Nordjütland vermutlich an einer Hand abzählen.

Und dann geht es mit Sack und Pack durch die Dünen zum Strand. Alternativ packt man Kind und Kegel (oder was man sonst so dabei hat) ins Auto.

Ferienhaus-Anbieter mit großer Auswahl sind z.B. Feriepartner, Novasol oder DanSommer.

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